Wien

Hochhäuser am Donaukanal zu hoch: Initiative Denkmalschutz sieht Beeinträchtigung des historischen Stadtbildes

Weltkulturerbe Wien: „Signalarchitektur“-Widmung am Donaukanal zu hoch

Der Verein „Initiative Denkmalschutz“ gibt zum Entwurf Flächenwidmungs- und Bebauungsplan Nr. 6689E2 (Obere Donaustraße, Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz, Hammer-Purgstall-Gasse, Lilienbrunngasse) folgende Stellungnahme ab:

Das Plangebiet im 2. Bezirk (Leopoldstadt) liegt an einer äußerst sensiblen Stelle an der unmittelbaren Grenze des Wiener Weltkulturerbes „Historisches Zentrum von Wien“ (seit 2001) keine 700 Meter Luftlinie vom Stephansdom entfernt. Die Kernzone des Weltkulturerbegebietes beginnt direkt am anderen Ufer des Donaukanals. Die an dieser Stelle viel zu knapp bemessene Pufferzone des Weltkulturerbegebietes endet im Donaukanal und somit unmittelbar vor dem geplanten Hochhauscluster Raiffeisen.

Die Widmung damit zu begründen, dass schon bisher am Donaukanalufer eine massive Hochhausverbauung stattgefunden hat, greift zu kurz. Faktum ist, dass beispielsweise die Hochhausentwicklung der letzten Jahre (Uniqua-Tower an der Aspernbrücke, Media-Tower und das Hotel an der Schwedenbrücke) schon bisher zu einer massiven Beeinträchtigung des historischen Stadtbildes beigetragen hat. Dass man diese Entwicklung im Stadtentwicklungsplan 2005 verankerte und die Ermöglichung von „Signalarchitektur“ am Donaukanal nun als „Zielgebiet Waterfront“ bezeichnet (Zitate Erläuterungsbericht), sagt alles aus. Nebenbei bemerkt:  Es ist ein Widerspruch in sich, wenn Einzeltürme in einer Umgebung von einer Vielzahl von Türmen Signalwirkung aufweisen sollen. Es soll ein Gebäuderiegel mit stadtbildprägendem Wandcharakter entstehen. Dies führt zu weiteren Beeinträchtigungen des historischen Stadtbildes, unter denen auch die weltberühmte Canaletto-Perspektive (Blick vom Schloss Belvedere auf die Wiener Innenstadt) noch stärker leiden wird. Nicht bekannt ist überdies, ob die Stadt Wien die für das Weltkulturerbegebiet zuständige UNESCO und die dazugehörigen Fachorganisationen ICOMOS International und ICOMOS Austria über diese Absichten rechtzeitig und konkret informiert hat. Seit dem Konflikt um das Komet-Hochhaus im Weichbild des Weltkulturerbes Schloss und Park Schönbrunn müsste klar sein, dass auch solche weit über die unmittelbare Nachbarschaft beeinflussende Hochhausplanungen mit der UNESCO bzw. ICOMOS abzusprechen wären.

Aus all den angeführten Überlegungen scheint dem Verein Initiative Denkmalschutz ein weiteres Ermöglichen von „Signalarchitektur“ an dieser sensiblen Stelle abträglich und schlägt daher vor, von einer weiteren Widmung mit dieser massiven Höhenerstreckung abzusehen, um damit nicht den - aus seiner Sicht - städtebaulichen Fehler fortzusetzen.

freundliche Grüße
Verein Initiative Denkmalschutz (ZVR-Zl.: 049832110)  Telefon: 0699 024 4216

Im Namen des Vorstands
Markus Landerer                     Claus Süss

Wien 27. August 2009





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