Wien

5000 Liebesbriefe": Porträt der Macher des Festwochen-Projekt

Wien (RK). "Stefanie" würde heute mit "Hans" durchbrennen, "Rama" und "Roswitha" erlebten in den 70er Jahren eine Liebe in luftiger Höhe als Flugbegleiter, die mit einem tödlichen Flugzeugabsturz Ramas endete, über "Mario" geben elf Freundinnen von seinem Jünglings- bis zum gesetzten Lebensalter interessante Auskunft, eine 80jährige dankt mit der anonymisierten Veröffentlichung der Liebesbriefe ihrem Mann für ein geglücktes Eheleben: Insgesamt vierzehn Stunden auf Cassetten zum Nachhören besprochene Liebesbotschaften aus mehr als 100 Jahren präsentiert das Festwochen-Projekt "5000 Liebesbriefe", welches zwischen 15. Mai und 15. Juni in fünf Wiener Kaffeehäusern über die Bühne gehen wird.

Verantwortlich für dieses ungewöhnliche, wie reizvolle Kunst- Projekt sind die beiden Schweizer Künstler Mats Straub und Barbara Pulli. "Die Österreicher sind in Liebesdingen offenherziger und schreibgewandter als die Schweizer", meint Straub, der 2004 gemeinsam mit der Bühnebildnerin Barbara Pulli, im Züricher Theater Neumarkt erstmals die Idee der Liebesbotschaften umgesetzt hat. Damals griffen die beiden Künstler auf ein bereits bestehendes Privatarchiv gesammelter Liebesbotschaften zurück. Anders beim Festwochen-Projekt: Hierfür starteten die Festwochen im Oktober 2005 österreichweit einen Aufruf in Tageszeitungen oder im Radio, Liebesbriefe, zärtliche Telegramme, aufgehobene Liebes- Faxe, wie auch aufgehobene Mails und transkribierte SMS an das Wiener Festwochen-Büro zu senden. Insgesamt trudelten 3500 Liebesbotschaften ein, von denen nun 500 ausgesuchte Beispiele zu hören sein werden.
 
=> zu den 5000 Liebesbriefen
 

Ältester Liebesbeweis stammt von 1894

Was in Zürich, wie auch ein Jahr später in St. Petersburg in geschlossenen Theaterräumen bereits erfolgreich präsentiert wurde, findet in Wien erstmals im halböffentlichen Raum der Kaffeehäuser Korb, Prückel, Stein, Westend und Weingartner statt. Gegen 5 Euro kann man sich dort, nach Studium eines entsprechenden Liebesbotschaften-Führers, eine Hörcassette der ausgesuchten Liebeszeugnisse ausborgen und anhören. Besprochen wurden die Texte durchwegs von altersadäquaten Laien, denn, so Straub: "Wenn die Texte nicht ganz so geschliffen sind, sollen auch die Stimmen nicht ganz so geschliffen sein." Texte älteren Jahrgangs, - der älteste Beitrag stammt aus dem Jahr 1894, der jüngste Liebesbeweis vom heurigen "Valentinstag" - wurden hingegen von professionellen Schauspielern besprochen, da diese - nochmals Straub - "besser dem speziellen Jargon früher Liebesbriefe gerecht werden."
 

"Liebesbotschaften" für Ohren über 18 Jahre

Natürlich ist auch der Liebesschmerz Thema dieses außergewöhnlichen Projektes, wie auch Beschimpfungen nach erfolgten Trennungen berücksichtigt wurden. Sexualität spielt ebenso eine Rolle, so sehr mitunter, dass es auch eine Special- Hörcassette für Personen ab 18 Jahren geben wird. "Ich war überrascht wie offenherzig hier darüber geschrieben wurde", meint Straub, angesichts seiner großen Erfahrungen internationaler Liebes-Korespondenzen. Welche Unterschiede sich auch in der Liebe zwischen Wien, St. Petersburg und Zürich zeigen, macht er an einem simplen, wie schwerwiegenden Umstand fest: "In Russland sind fehlende Rückzugsmöglichkeit verliebter Paare weit mehr ein Thema. Das Zu Hause-Wohnen bei den Eltern viel üblicher."


Quelle: Rathauskorrespondenz vom 10.5.2006

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