Wien

Liedertext: Vale universitas

1. Vale universitas, Bursa und Taberne!
Blumen dringen durch das Gras und uns lockt die Ferne.
Zwar fasst unser fahrend’ Gut leicht ein winzig’ Tüchlein,
doch was schadt’s? Was Not uns tut, schafft das Zaubersprüchlein:
Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro properando!

2. Abbas illustrissimus ist in jungen Jahren
auch als vagans clericus durch das Land gefahren.
D’rum winkt er dem Kellner gleich, hört er drauß’ uns pochen,
denkt der Zeiten säldereich, da er selbst gesprochen:
Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro properando!

3. Seh’n wir im Vorübergeh’n eine Maid im Gärtlein
zwischen Gilg und Rosen steh’n, klopfen wir an’s Pförtlein.
Neigt sie sich verschämt uns zu, fragen, was wir gehren:
Einen Kuss, Blauäuglein du! Einen Kuss in Ehren!
Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro properando!

4. Vor dem Pfarrhaus schreckt ein Drack oft uns arme Pilger:
„Hebt euch weg, Vagantenpack! Schnöde Weinvertilger!“
Doch es winkt des Pfarrherrn Hand hinterm Drachen milde
– das Barett zieh’n wir galant vor der bösen Hilde:
„Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro properando!“

5. Tat ein Schloss auch nie sich auf Feinden, die’s berannten,
stürmten wir’s im Siegeslauf, fröhliche Vaganten.
Eine Tageweise hell bläst zum Gruß der Türmer;
Herr und Tross ergibt sich schnell, schallt der Ruf der Stürmer:
Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro
properando!

6. Und wenn dann das Glück sich kehrt, uns’re Wangen blassen,
der die jungen Raben nährt, wird uns nicht verlassen.
Steht ein Bild am Straßenrand, traut im Tannenreise,
grüßen wir’s mit Mund und Hand, und dann fleh’n wir leise:
„Sumus de vagantium ordine laudando,
petimus viaticum porro properando!“

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