Wien

Liedtext: Keinen Tropfen im Becher mehr

1. Keinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel schlaff und leer,
lechzend Herz und Zunge.
Angetan hat mir’s dein Wein, deiner Äuglein heller Schein,
[: Lindenwirtin, du junge! :]

2. „Angekreidet wird hier nicht, weil’s an Kreide uns gebricht“,
lacht die Wirtin heiter.
„Hast du keinen Heller mehr, gib zum Pfand dein Ränzel her,
[: aber trinke weiter!“ :]

3. Tauscht der Bursch’ sein Ränzel ein gegen einen Krug voll Wein,
tät’ zum Geh’n sich wenden.
Spricht die Wirtin: „Junges Blut, hast ja Mantel, Stab und Hut;
[: trink und lass’ dich pfänden!“ :]

4. Da vertrank der Wanderknab’ Mantel, Hut und Wanderstab,
sprach betrübt: „Ich scheide.
Fahre wohl, du kühler Trank, Lindenwirtin jung und schlank,
[: liebliche Augenweide!“ :]

5. Spricht zu ihm das schöne Weib: „Hast ja noch ein Herz im Leib;
lass mir’s trauter Wand’rer!“
Was geschah, ich tu’s euch kund: auf der Wirtin rotem Mund
[: brannte heiß ein and’rer. :]

6. Der dieses Lied erdacht sang’s in einer Sommernacht
lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas, neben ihm Frau Wirtin saß
[: unter der blühenden Linde. :]

+++

Index: Kommers, Studentenlied, Keinen Tropfen im Becher mehr