Wien

Studentenlied: Gold und Silber lieb ich sehr

1. Gold und Silber lieb’ ich sehr, kann’s auch gut gebrauchen,
hätt’ ich nur ein ganzes Meer, mich hineinzutauchen,
’s braucht nicht grad’ geprägt zu sein, hab’s auch so ganz gerne,
[: sei’s des Mondes Silberschein, sei’s das Gold der Sterne. :]

2. Doch viel schöner ist das Gold, das vom Lockenköpfchen
meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen.
Darum, du, mein liebes Kind, lass uns herzen, küssen,
[: bis die Locken silbern sind und wir scheiden müssen. :]

3. Holdes Liebchen, trag’ nicht Leid, blicke nicht so trübe,
weil du nicht die einz’ge Maid, die ich herzlich liebe!
Schau’, Studenten machen’s so, lieben mehr als eine,
[: bin ich nicht mehr Studio, lieb’ ich dich alleine. :]

4. Gräm’ dich nicht den ganzen Tag, dass wir gerne trinken,
dass ich dich nicht küssen mag, wenn die Becher winken.
Schau’, Studenten sind halt so, lieben Bier und Weine,
[: bin ich nicht mehr Studio, lieb’ ich dich alleine. :]

5. Wer nur eine einz’ge küsst bis zur Jahreswende
und die andern schüchtern grüßt, der ist kein Studente.
Wer noch nie bekneipet war, der hat nie studiert,
[: wär’ er auch so manches Jahr ins Kolleg marschieret. :]

6. Seht, wie blinkt der gold’ne Wein hier in meinem Becher;
horcht, wie klingt so silberrein froher Sang der Zecher!
Dass die Zeit einst golden war, will ich nicht bestreiten,
[: denk’ ich doch im Silberhaar gern vergang’ner Zeiten. :]

7. Meine Mutti hat gesagt: „Heut’ um halber neune,
Lausbua, wannst net hoamgen’ tuast, lass i di net eine!“
Und was meine Mutti sagt, halt ich stets in Ehren,
[: oba hoamgeh’ tua i net, mag’ sie noch so plärren! :]

8. Meine Mutti hat gesagt: „Einen Kuss in Ehren,
soll man einem Studio niemals mehr verwehren!“
Und was meine Mutti sagt, will ich treulich halten,
[: trieben’s doch in früh’rer Zeit ärger noch die Alten. :]

9. Will es einstens das Geschick, dass ich Pfarrer werde,
und ich wende meinen Blick von der falschen Erde;
bet’ ich einstens das Brevier und das Paternoster,
[: dann geh’ du aus Lieb’ zu mir in das gleiche Kloster. :]
 
10. Wenn das Küssen Sünde wär’, hätt’s nicht Gott erschaffen,
wenn es ein Verbrechen wär’, täten’s nicht die Pfaffen.
Wenn’s gesundheitsschädlich wär’, würden’s Ärzte meiden,
[: wenn’s den Mädchen wehe tät’, würden sie’s nicht leiden. :]
 
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