Wien

Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm - NHM





Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm - NHM; © ZVG

Pathologic-anatomical Collection in The Fools Tower - NHM
Adresse: Uni Campus, Spitalgasse 2 A-1090 Wien (Zugang: Van-Swieten-Gasse)
Telefon: 01- 406 86 72 -2,

Website: => Pathologisch-anatomische Sammlung
 



Über das Museum:






Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm - NHM © ZVG

Museum & Ausstellungsstücke:
Mit seinen vielen Präparaten in allen Variationen, die Fehlbildungen, Krankheiten, aber auch tragische Unfälle veranschaulichen, fesselt das Museum seine Besucher. Für die Mediziner der vergangenen Jahrhunderte erfüllten diese Präparate mehrere Zwecke. Sie dienten der Dokumentation und dem „Sichtbarmachen“ medizinischer Fälle, fungierten als Anschauungsmaterial für Mediziner und deren Studenten und unterstützten so auch die Weiterentwicklung der Medizin.
  
Das Museum gilt in Fachkreisen als weltweit größtes und wahrscheinlich bestes seiner Art. Zu sehen gibt es dort alle Arten pathologischer Präparate: mißgebildete Embryos, rachitische Skelette, Moulagen von Haut- und Geschlechtskrankheiten, kranke Organe in Spiritus, peinlich genau dokumentierte Eileiterschwangerschaften usw. usf.

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Öffnungszeiten:

jeden Mittwoch 10 - 18 Uhr / Wednesdays 10 a.m. - 06.00 p.m.
jeden Donnerstag 10 - 13 Uhr / Tuesdays 10 a.m. - 01.00 p.m.
jeden Samstag 10 - 13 Uhr / Saturdays 10.00 a.m.-01.00 p.m.
    An Feiertagen geschlossen  / Closed on holidays

 

Eintrittspreise:

* € 4 pro Person (inkl. 10% USt.);
* ermäßigt € 2.
* für Schüler bis 19 Jahren ist der Eintritt in die Schausammlung frei.

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Geschichte:

* Im Frühjahr 1783 erteilte der „Reformkaiser“ Joseph II. den Auftrag zur Errichtung einer Irrenanstalt – zuerst in Form einer öffentlichen Ausschreibung, später jedoch als sein Privatprojekt, dessen Bau und Einrichtung er selbst überwachte und für das er mit eigenen Geldmitteln aufkam. Der „Irrenthurm“, wie er anfangs noch hieß, war die erste medizinische Einrichtung, die ausschließlich zur Behandlung von Geisteskranken errichtet wurde. Er ist ein bedeutendes Denkmal zur Geschichte der Krankenversorgung und der Medizin im ausgehenden 18. Jahrhundert.
Damals war Wien die Hauptstadt eines Kaiserreichs, in dem das einfache Volk nach etlichen Kriegen, Seuchen und Wetterkatastrophen mit der Armut zu kämpfen hatte. Immer mehr Menschen wanderten in die Städte ab, fanden aber auch dort nicht ihr Glück. Die „Verlierer“ der Gesellschaft – Invalide, Witwen, Waisen, ledige Mütter, Krüppel und (Geistes-)Kranke – mussten vom allmächtigen Staatslenker irgendwie versorgt und untergebracht werden. Zur Zeit Josephs II. galt das „Irresein“ noch als heilbar, und die Ärzte unterschieden zwischen Krankheitsformen wie Melancholie, Tollheit, Unsinnigkeit und Wahnwitz. Heilungsversuche unternahmen sie mittels Schröpfen, Aderlass, Brech- oder Abführmitteln, um die „Säfte“ des Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wahnsinnige lebten entweder im Familienverband, in kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen oder – im 18. Jahrhundert zunehmend – neben Verbrechern in Zucht- und Tollhäusern.
* 1784 war das Gebäude schließlich bezugsfertig und nahm Geisteskranke auf, die zuvor auf diverse Wiener Spitäler verteilt gewesen waren. Der Narrenturm ist ein Rundbau mit fünf Stockwerken, in denen jeweils 28 Zimmer an die Außenfront des Gebäudes gehen. Die Zimmer sind über einen kreisrunden Gang in jeder Etage zugänglich. In der Mitte des Turms steht ein Quergebäude, das den Verwaltungstrakt und ein Stiegenhaus enthält; es teilt den Innenhof in zwei Hälften. Die gefährlichen Irren, die „Tobenden“, waren einst in ihren Zimmern angekettet, die harmlosen Patienten konnten sich frei bewegen. Erst später bekamen die einzelnen Zellen Türen mit Sichtfenstern.
* 1795, elf Jahre nach der Eröffnung wurde eine Mauer um den Narrenturm gebaut, um zum einen Schaulustige fernzuhalten und zum anderen den Insassen der Anstalt einen Garten zur Verfügung zu stellen.
* Ab dem Wintersemester 1844 fand im Narrenturm der theoretische und praktische Unterrricht der Psychiatrie – die sich erst Anfang des 19. Jahrhunderts als eigene medizinische Disziplin etabliert hatte – statt. 1852 wurde die neue psychiatrische Anstalt am Bründlfeld in Betrieb genommen, die fortan die meisten Psychiatriepatienten aufnahm. Im Narrenturm landeten mehr und mehr die unheilbaren, hoffnungslosen Fälle – bis das Gebäude 1869 als Anstalt geschlossen wurde.  Dann übernahmen neue Einrichtungen wie die Siechen- und Versorgungsanstalt Klosterneuburg (Gugging) und später Steinhof die Aufgabe, psychiatrisch Kranke unterzubringen.
Nach 1870 sollte der Narrenturm eigentlich abgerissen werden, blieb jedoch erhalten und stand 50 Jahrelang leer.
* Ab 1920 wurde er als Schwesternwohnheim und für Ärzte- und andere Dienstwohnungen genützt.
* Seit November 1971 beherbergt das nicht nur medizinhistorisch, sondern auch architektonisch bedeutsame Gebäude das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum, das sich anfangs auf acht leerstehende Zellen beschränken mußte, nach und nach aber jeden freiwerdenden Raum im Haus für seine Sammlungen erhielt.
* 1993 wurde dem Museum – als Mieter – dann endlich das gesamte Gebäude übergeben. Heute ist es das letzte Bundesmuseum nach dem Forschungsorganisationsgesetz; im Prinzip ein unhaltbarer Zustand, da der ministerielle Verwaltungsaufwand für ein einziges Museum viel zu groß ist. Zudem beherbergt das Haus immer mehr Sammlungen: neben der berühmten pathologischen auch Präparate aus dem ehemaligen Elektropathologischen Museum, Ausstellungsstücke zum Apothekerwesen, eine Sammlung mit veterinärmedizinischen Präparaten, die „Wunderkammer eines Alchimisten“, Krankenschwestern-Medaillen und vieles mehr.

* Gegenwart
In den Zellen, Nebenräumen und Gängen des Narrenturms, wo all dies archiviert und katalogisiert ist, wird der Platz knapp. Dazu kommt, daß der bauliche Zustand des Narrenturms mehr als bedenklich ist: „Unser größtes Problem ist derzeit, das Museum aufrechtzuerhalten und zu erreichen, daß es renoviert wird, da wir praktisch eine Bauruine sind“, sagt Narrenturm-Direktorin Dr. Beatrix Patzak.
Um diesen Mängeln abzuhelfen, unternimmt die Museumsleitung nicht nur zahlreiche Führungen durch das denkmalgeschützte Gebäude (mit stetig ansteigenden Besucherzahlen), sondern betreibt auch einen Shop, organisiert Veranstaltungen, vermietet Räumlichkeiten als „Event-Location“ und betreibt den Verein der Freunde der pathologisch-anatomischen Museen Österreichs, dessen Mitgliedsgebühren ebenfalls der Erhaltung des Gebäudes zugute kommen.





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