Wien

Das Saliera Salzfass: Kunstwerk - Raub - Auffinden - Täter verurteilt

Saliera wiedergefunden - Kunstdiebstahl aufgeklärt

Die Saliera - eine Skulptur von Benvenuto Cellinis - wurde am 11. Mai 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM)  in der "Langen Nacht der Museen" um ca. 3:55 Uhr gestohlen. Am 21.1.2006 konnte der Kunstdiebstahl aufgeklärt werden. Der Täter bzw. Hauptverdächtige meldete sich selbst bei der Polizei. Die Saliera ist leicht beschädigt gefunden worden. Der Wert der Saliera wird auf ca. 50 Millionen Euro geschätzt.

Entstehung des Kunstwerkes

Die Saliera stellt ein Salzfass dar. Die Saliera wurde im Auftrag von König Franz I von Frankreich zwischen 1540 bis 1543 gefertigt. Karl IX schenkte sie an Ferdinand II von Tirol und somit gelangte die Skulptur in den Besitz der Habsburger. Der letzte legale Besitzer war das Kunsthistorische Museum in Wien.

 

Chronologie des spektakulären Kunstraubes der Saliera:


28.06.2007: Urteil rechtskräftig.
Verteidiger und Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil des Wiener Schöffensenates im Wiederholungsprozess rund um den Raub der Saliera an. Laut Verteidiger Richard Soyer werde sich sein Mandant nun auf seine bedingte Entlassung konzentrieren. Es könnte sein, dass er bereits nach der Hälfte der Zeit vorzeitig auf Bewährung frei freikommt. Das wäre dann Mitte 2008.

26.06.2007: Neues Urteil: Strafausmaß auf 5 Jahre erhöht.
Richter Wolfgang Fahrner: "Das waren allerdings zwei Verbrechen mit extrem hohen Schadenssummen". (Anmerkung: den mit 36 Millionen Euro bezifferten Wert der Saliera + die Lösegeldforderung von 10 Millionen Euro). Der Oberste Gerichtshof OGH hatte das Ersturteil wegen eines Formalfehlers aufgehoben und eine Neudurchführung festgelegt. 

09.09.2006: Robert Mang beruft - so wie bereits der Staatsanwalt - gegen das Urteil. Laut seinem Verteidiger Richard Soyer erhoffe er sich ein geringeres Strafausmaß.

07.09.2006: Robert Mang - zum Tatzeitpunkt 47 Jahre alt - aus Wien wird von einem Schöffensenat zu 4 Jahre Haft verurteilt. Er soll der Saliera-Kunstdieb gewesen sein. Motiv waren laut seinem Strafverteidiger Richard Soyer eine persönliche Krise und nicht Geldsorgen, denn seine Geschäfte gingen gut.
Das Strafausmaß (Strafrahmen bis 10 Jahre Haft) ist deshalb so niedrig, da man ihn nur für den Raub, aber doch nicht für eine Erpressung schuldig befand. Der Richter erklärte sehr "vielseitige" Milderungsgründe, wie zB seine Unbescholtenheit, sein Geständnis, seine "Kooperationsbereitschaft" und seine Bereitschaft zur Schadensgutmachung.  Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Stastaanwältin kündigte Berufung gegen das Urteil an. Der Wert der Saliera wurde zuletzt auf 36 Millionen Euro (= 495 Millionen Schilling) geschätzt.

PS Wien-konkret: Eine rumänische Einbrecherband hätte bestimmt mehr Strafe bekommen. Merke: Es kommt auch auf die Sympathiewerte des Angeklagten an (siehe auch Suchtgift-Prozess von Reinhard Fendrich)


06.09.2006: Mit Spannung erwartet wird das Urteil im Saliera-Prozess. Der charmante, gut aussehende Angeklagte Robert Mang - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - hat in der Öffentlichkeit mittlerweile das Image eines Gentleman-diebs bzw. eines Helden der Nation aufgebaut, der es eigentlich wie Robin Hood nur denen da oben  - also den dampfplaudernden Politikern und nochbezahlten Beamten - zeigen möchte. Mittlerweile bekommt er sogar zahlreiche Liebesbriefe und Heiratsanträge in die Untersuchungshaft. Es gibt bereits erste Spekulationen, Robert Mang könnte straffrei ausgehen.

31.01.2006: Das Cellini-Kunstwerk ist wieder im Saal XIX der Kunstkammer für alle Interessierten zu besichtigen.

26.01.2006: Laut KHM-Museumsdirektor Seipl wird sich das Kunsthistorische Museum als Privatbeteiligter am Strafprozess beteiligen. Dies sei notwendig, um direkt aus dem Strafprozess Schadenersatzforderungen geltend machen zu können. Basis ist natürlich eine eventuelle Verurteilung.

22.01.2006: 11:00 Uhr Pressekonferenz der Polizei zum Saliera-Raub.

Immer mehr Details werden bekannt. Der Kunstdieb - ein Techniker für Alarmanlagen aus Wien - dürfte im betrunkenen Zustand die Saliera mit einem Missgeschick geraubt haben. Sein "Insiderwissen" zum Kunstraub habe er durch eine Führung im Museum (KHM) erlangt.

Naja, Ende gut - alles gut.

22.01.2006: Für KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel ist es der schönste Augenblick in seinem Leben. Die Saliera wird ihm als Direktor des Kunsthistorischen Museums voraussichtlich heute übergeben werden.

21.01.2006: Verhöre durch die Polizei und Information an die Presse über das Wiederauffinden der Saliera.

21.01.2006: Laut einem erst heute erschienenen Zeitungsartikel sagt der Direktor Seipel, die Polizei sei aufgrund des plötzlich aufgetretenen Mediendrucks in die Öffentlichkeit gegangen.

20.01.2006: Der Kunstdieb bzw. Hauptverdächtige meldet sich am Abend bei der Polizei (Kripo). Der fünfzig jährige Wiener beschwerte sich, dass das Fahndungsfoto fälschlicher Weise ihm abbilde. Dieses wurde in einem A1-Shop in der Mariahilferstraße beim Kauf eines Handys aufgenommen. Später gesteht er die Tat und führt die Polizei zum Versteck. Die Saliera wurde in einem Wald in der Gemeinde Brand bei Zwettl (NÖ) ausgegraben.

Dezember 2005: Die Uniqa-Versicherung verweigert bislang die Zahlung der Versicherungsprämie. Grund: Der Wert sei schwierig zu ermitteln und stehe noch nicht fest.

7.11.2005: "Schnitzeljagd" durch Wien. Der Kunstdieb schickt die Polizei kreuz und quer durch Wien zum Übergabeort. Die Saliera soll gegen das Lösegeld übergeben werden. Der Kunstdieb bricht die Übergabeaktion per SMS ab. 

27.10.2005: Kunstdieb übermittelt einen Teil der Skulptur - den abnehmbaren Dreizack. Die Echtheit des Dreizacks wurde geprüft und für wahrscheinlich gehalten.

07.10.2005:
Der Kunstdieb fordert 10 Millionen Euro.

20.05.2005: Klubobmann Cap (SPÖ) fordert als Konsequenz zum Rechnungshofbericht den Rücktritt von Dirketor Wilfried Seipel und der Mitglieder des Kuratoriums wegen "unglaublicher Misswirtschaft" im Museum.

Oktober 2004:
Der britische Kunst-Detektiv Charles Hill - ein weltweitführender Experte im Kunstbereich - meint, dass der Kunstdieb einen Komplizen im Museum (KHM) gehabt haben dürfte. 

Anfang Juli 2004: Der später verurteilte Robert Mang nahm im Privatradio (Frequenz 94,0 MHz) zum Thema Alarmanlagen und Saliera Stellung.

Mai 2004: Der Direktor des Museums (KHM), Wilfried Seipel, ermitelt auf eigene Faust in Italien - ohne Erfolg.

August 2003: Kunstdieb schickt an die Versicherung "Brösel" der Saliera als Zeichen des Besitzes  und fordert 5 Millionen Euro "Lösegeld".

Juli 2003: Wer bekommt die Versicherungssumme von der Uniqa Versicherung? Streit zwischen Bund oder Museum.

13.05.2003: Pressekonferenz mit dem Direktor des KHM, Wilfried Seipel

13.05.2003: Lost in Vienna: Saliera-Suche mittels Zeitungsinserat in der International Harald Tribune und im Internet:

"The Saliera
Lost in Vienna on the 11th May between 0159 hours and 0400 hours one ‘Salt Cellar’ of great personal value to the Cellini family. If found, a substantial reward will be made to the bearer on its successful return. Please call +33613296789 and leave your contact details. Alternatively you can e-mail j-j@thesaliera.com."
Qu: http://rip.twoday.net/20030710/

12.05.2003:
Schwere Sicherheitsmängel beim KHM werden bekannt.

11.05.2003: Diebstahl der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien, 1. Bezirk. Der Zeitpunkt des Diebstahls wird mit 3:55 Uhr festgestellt.

Der Aufseher des Museums glaubt an einen Fehlalarm und schaltet die hochgehende Alarmanlage aus und aktiviert sie nach 29 Sekunden wieder. Das Licht und die Viedeoüberwachung wurde nicht eingeschaltet. Eine Putzfrau entdeckt am Morgen den Kunstdiebstahl.

Wie sich später herausstellt, kletterte ein Einzeltäter nach einem Discobesuch über das Baugerüst des Museums, drückte das Fenster auf, zerschnitt die Jalousie mit einem Messer und raubte die Saliera. So einfach ging das.
 



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