Wien

Der Ständestaat und das Dritte Reich

Der Brand des Justizpalastes 1927 nach einem Fehlurteil im Zusammenhang mit tätlichen Demonstrationen, der Zusammenbruch einer der größten Banken des Landes und schließlich die Auflösung des Parlaments 1933 markierten den Weg zum Bürgerkrieg im Februar 1934. Nachdem Engelbert Dollfuß, seit 1932 Bundeskanzler und Außenminister, schon 1933 die NSDAP, die kommunistische Partei und der republikanische Schutzbund verboten hatte, traf dieses Verbot nach den Februarkämpfen 1934 auch die sozialdemokratische Partei. Nur die Vaterländische Front war noch zugelassen. Er schuf einen autoritären Ständestaat und regierte mit Notverordnungen. Zur Arbeitsbeschaffung wurden v.a. Straßenbau-Großprojekte durchgeführt wie die Großglockner-Hochalpenstraße und die Höhenstraße auf den Kahlenberg, den Wiener Aussichtsberg.

1938 erfolgte der Anschluss an das Deutsche Reich. Die auf die Vernichtung der Juden zielende Politik Hitlers fiel beim in Wien schon viele Jahrhunderte alten und seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmenden Antisemitismus auf fruchtbaren Boden. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden die Synagogen, Zentren nicht nur des religiösen, sondern auch des sozialen jüdischen Lebens, zerstört. Im Zuge der großen Stadterweiterung von 1938 wurden 91 Umlandgemeinden in die Stadt integriert und damit die Bezirke XXII (Groß-Enzersdorf), XXIII (Schwechat), XXIV (Mödling), XXV (Liesing) und XXVI (Klosterneuburg) geschaffen. Damit wurde Wien mit 1.224 km² zur Flächenmäßig größten Stadt des Deutschen Reiches.

Die Bombardierungen 1944 und 1945 sowie die Kämpfe während der Eroberung Wiens durch die sowjetischen Truppen im April 1945 verursachten große Schäden in der Stadt. Dennoch hielten viele historische Gebäude der Bombardierung weitgehend stand. Die zerstörten Gebäude wurden zum Großteil nach dem Krieg wieder aufgebaut. Bei den Kämpfen um die Besetzung Wiens durch sowjetische Truppen kamen ca. 19 000 Soldaten der Wehrmacht ums Leben.