Wien

Das Innere vom Stephansdom:

Foto: Mittelgang und Gemälde im Stephansdom; © Wien-konkret

Foto: Mittelgang und Gemälde im Stephansdom; © Wien-konkret

Das Langhaus des Domes ist dreischiffig, was ihn als Stadtpfarrkirche ausweist. Das Hauptschiff ist auf den Hauptaltar ausgerichtet, das linke Seitenschiff hat ein Marienprogramm, das rechte Seitenschiff ist den Aposteln gewidmet.

Der Hochaltar von Tobias Pock ist eines der bedeutendsten Werke des Frühbarock in Österreich. Er stellt die Steinigung des Heiligen Stephanus dar, im Hintergrund ist eine Menschenmenge zu sehen, in der andere Heilige repräsentiert sind - ein Hinweis auf das Allerheiligenpatrozinium. In seinem Aufbau gleicht er einem Hausportal, er ist daher ein Porta-Coelis-Altar.

An den Pfeilern und an den Seitenschiffen sind zahlreiche andere Altäre. Der bedeutendste ist der Wiener Neustädter Altar aus 1447, der den Schrifzug AEIOU trägt, und daher mit Kaiser Friedrich III. in Verbindung zu bringen ist. Es handelt sich um einen typisch gotischen Flügelaltar. In der Predella (dem "Sockel") kommen nach Öffnen der Flügel kleine Maßwerkfensterchen zum Vorschein, hinter denen Reliquien aufbewahrt wurden. Auf der Werktagsseite ist ein kompliziertes Programm von 72 Heiligen zu sehen, im Inneren des Altares sind vergoldete Schnitzarbeiten, die Szenen aus dem Leben Mariens zeigen.

Daneben steht ein Kenotaph Rudolfs IV. und seiner Frau, der aber in sehr schlechtem Zustand ist. Ursprünglich stand er im Mittelchor mit dem Portrait Rudolfs IV. darüber gehängt.

Im Südchor ist das Grabmal Friedrichs III. Es ist 8 Tonnen schwer aus Adneter Marmor, der wegen seiner Buntscheckigkeit schwer zu bearbeiten ist. Auf der Grabplatte ist eine portraitähnliche Darstellung des Kaisers, rundherum sind die Wappen seiner Besitzungen. Die Reliefdarstellungen an den Wänden erinnern an die zahlreichen Klostergründungen des Kaisers. Der ganze Sarkopharg wurde zwischen 1463 und 1479 von Niclaes Gerhaert van Leyden angefertigt.

Ein weiteres Meisterwerk der spätgotischen Plastik ist die Kanzel. Sie wurde lange Anton Pilgram zugeschrieben, wird aber heute eher mit Niclaes Gerhaert van Leyden in Verbindung gebracht. Der Kanzelkorb erhebt sich wie eine stilisierte Blüte aus dem Kanzelfuss - das gotische Maßwerk wird hier zu etwas quasi-floralem. Auf dem Kanzelkorb sind die Portraits der vier Kirchenväter: Augustinus, Ambrosius, Gregorius und Hieronymus, die gleichzeitig die vier Temperamente und vier Lebensalter symbolisieren. Das Treppengeländer zur Kanzel setzt sich aus Rädern zusammen, einem Dreipass (dreimal unterteilt), der die Dreifaltigkeit symbolisiert und einem Vierpass, für die vier Kardinaltugenden. Der Handlauf ist von Fröschen und Lurchen bevölkert, die sich ineinander verbeißen und so den Kampf Gut gegen Böse symbolisieren. Am oberen Ende der Treppe sitzt ein steinernes Hündchen, das aufpasst, dass kein Tier den Prediger erreicht. Im unteren Teil der Treppe ist der Fenstergucker - das plastische Selbstportrait eines unbekannten Meisters.

Unweit davon ist der Orgelfuß - ein Vorsprung, an dem ursprünglich die Orgel stand. Es wird von schlingenförmigen Diensten an der Wand gehalten, die in einem plastischen Selbstportrait Anton Pilgrams münden. Er ist als Universitätsprofessor mit Doktorhut und Talar gekleidet und hält Winkelmaß und Zirkel in der Hand. Seine Gesichtszüge wirken melancholisch und sollen wohl seine Verantwortung ausdrücken. Unterhalb des Portraits ist die Jahreszahl 1513 zu lesen.

Die Seitenkapellen sind die Barbara- und die Katharinenkapellen. Die Katharinenkapelle hat einen hängenden Schlussstein - statisch unsinnig und ein Zeichen, dass die Gewölberippen im späteren 15. Jahrhundert nur noch Dekoration waren. In ihr steht auch der Taufstein aus 1476, über dem die Taufkrone aus 1481 hängt. Der Taufstein hat einen achteckigen Fuß, über den sich ein vierzehnseitiges Taufbecken befindet, die Krone ist siebeneckig. In lebendigen spätgotischen Darstellungen werden die Sieben Sakramente, die Evangelisten und Szenen aus dem Leben Christi dargestellt.

Neben der Barbarakapelle, im Adlertor, einem nördlichen Seiteneingang, ist der Kolomanistein, auf dem angeblich der Heilige Koloman ermordet wurde und der Zahnwehherrgott, ein gotischer Schmerzensmann. Der Legende nach hätten sich Studenten über ihn lustig gemacht, dass er aussehe, als habe er Zahnweh, woraufhin sie selbst mit Zahnweh geschlagen worden seien und Abbitte hätten leisten müssen.

Auch im Westen neben dem Haupteingang gibt es Kapellen, in der Tirna- oder Savoyenkapelle links neben dem Eingang befindet sich das Grabmal des Prinzen Eugen. Darüber liegt die Valentinskapelle, in der die Reliquien des Doms aufbewahrt sind.

Sowohl innen als auch außen ist die Wand des Domes mit Epitaphen bedeckt. Sie wurden aus dem Friedhof um den Dom (dem Stephansfreithof) genommen, der 1760 aufgelassen wurde. Unter anderem finden sich Epitaphe für den Humanisten Johannes Cuspinianus, für Georg Slatkonia, dem ersten Bischof von Wien und den eifrigen Gegenreformator Kardinal Melchior Khlesl.

Auf der Westempore erblickt man die Riesenorgel, die sechstgrößte Kirchenorgel der Welt, die 1956 bis 1960 vom Wiener Orgelbauer Johann M. Kauffmann erbaut wurde. Sie besitzt vier Manuale, 155 Register und rund 10.000 Pfeifen, deren längste 12 m hoch ist.

 

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