Wien

7. Juni 2012: Fronleichnam im und um den Wiener Stephansdom

Am Do., 7.6.2012 um 8.30 Uhr feiert der Kardinal Christoph Schönborn das Pontifikalamt im Stephansdom. Um 9.30 Uhr beginnt die Fronleichnamsprozession durch die Wiener Innenstadt . Der Weg führt vom Stephansplatz über die Kärntnerstraße, Führichgasse und Augustinerstraße zur Augustinerkirche mit einer Station am Josefsplatz (1. Altar). Über den Michaelerplatz und den Kohlmarkt führt die Fronleichnamsprozession zur Dreifaltigkeitssäule (2. Altar) am Graben und zurück zum Stephansplatz (3. Altar). Ende ca. bis 12 Uhr.

Bei Schlechtwetter findet nach dem Gottesdienst eine eucharistische Anbetungsfeier im Dom statt.



Fronleichnam 2009 im Stephansdom mit Prozession in der Umgebung, Wien

Fotos von der Fronleichnamsprozession 2009 durch die Wiener Innenstadt: Bild links: Kardinal Christoph Schönborn trägt die Monstranz durch die Straßen Wiens, Bild Mitte Altar vor der Franziskanerkirche, Bild rechts Abschluß am Stephansplatz; © Wien-konkret



Fotos von der Fronleichnamsprozession 2009 durch die Wiener Innenstadt: Bild links: Kardinal Christoph Schönborn trägt die Monstranz durch die Straßen Wiens, Bild Mitte Altar vor der Franziskanerkirche, Bild rechts Abschluß am Stephansplatz; © Wien-konkret

Wer: Kardinal Christoph Schönborn in Konzelebration mit Seelsorgern der Domkirche und über 3000 Gläubigen
Was: Fronleichnamsprozession 
Wann: 11. Juni 2009 ab 9:45 Uhr (im Anschluß an die Messe)
Wo: Vom Stephansdom aus über die Weihburggasse zum Franziskanerplatz und über die Singerstraße retour zum Stephansplatz, Wien 1. Bezirk. 
 

Video Fronleichnam

Messe im Stephansdom und anschließend Fronleichnamsprozession in der Umgebung mit Kardinal Schönborm, 11.6.2009

Video 120 MB;
© Wien-konkret

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Predigt Kardinal Schönborn am Franziskanerplatz:

Gelobt sei Jesus Christus.

Verehrter lieber hochwürdiger apostolischer Nuntius, liebe Mitbrüder im diakonalen Dienst, liebe Seminaristen, Ordensschwester und –brüder, Vertreter des öffentlichen Lebens, der Universität, des Militärs, der farbentragenden Studenten, der Studentenschaft, liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern.

Unmöglich können wir Schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben. Mit diesen Worten haben die beiden Aposteln Johannes und Petrus vor dem hohen Rat erklärt, warum sie nicht bereits sind, den Namen Jesu zu verschweigen, wie man es ihnen befohlen wurde. Sie dürfen nicht mehr den Namen Jesu nennen. Man droht ihnen an mit Strafe, Verfolgung, Verurteilung, ja mit Todesdrohung. Sie können unmöglich Schweigen über das, was sie gesehen und gehört haben.

Was sie gesehen und gehört haben ist eine Theorie, nicht irgendeine Lehre, sondern jemand: Jesus. Sie haben ihn kennen gelernt, ihn lieben gelernt. Sie haben ihn erlebt. Sie können nicht Schweigen.

Und so ist es durch die Jahrhunderte geblieben. Wenn man bedenkt, dass in den ersten drei Jahrhunderten das Christentum sich verbreitet hat auch bis zu uns – durch römische Soldaten, durch Händler, Kaufleute, durch Menschen, die im römischen Reich eben auch bis an diese Grenzen gekommen sind – wenn man bedenkt, dass das ohne Gewalt, ohne politische Unterstützung – ja im Gegenteil meist sogar unter Verfolgung, Ablehnung, Widerstand -  geschehen ist, dann ist eines klar: Es war nur möglich durch das persönliche überzeugende Zeugnis. Nur so hat sich das Christentum verbreitet. So war es zumindest, bis Kaiser Konstantin gemerkt hat, dass diese Christen, die man bisher verfolgt hat, eine Kraft im Reich sind, auf die man sich stützen kann. So kam es dann unter seinen Nachfolgern, dass das Christentum zur Staatsreligion, die Reichsreligion wurde. Und so begann die große Zeit der Christenheit durch die Jahrhunderte. Viele Völker, Stämme ganze Reiche …. wurden Christen und mit ihrer Hilfe breitete sich das Christentum aus in ganz Europa, unter den Völkern Europas und dann im zweiten Jahrtausend in die ganze Welt auch mit wirtschaftlicher, militärischer, politischer Macht und entsprechendem Druck.

Heute – am Beginn des dritten Jahrtausends – sind wir wieder in einer ähnlichen Situation, wie in den ersten Jahrhunderten, freilich mit dem Unterschied einer 2000-jährigen Geschichte des Christentums. Aber auch heute steht wieder das Zeugnis im Vordergrund. Es ist nicht der Kaiser, auch nicht die Republik, die die Religion verbreitet. Sie ist toleriert und hat einen guten gesetzlichen Rahmen in unserem Land, wir haben Religionsfreiheit und das ist ein kostbares Gut, aber heute ist wieder neu und in ganz entschiedener Weise das Zeugnis gefragt. Und so richtet sich an alle die Frage: Was ist es denn, worüber wir unmöglich Schweigen können? Was haben wir gesehen oder erfahren über das wir Zeugnis geben müssen?

Auch heute kann die Antwort nur die sein, die damals in Jerusalem kurz nach …? …     die beiden Aposteln gegeben haben. Wir können unmöglich Schweigen über den, den wir kennen gelernt, den wir lieben gelernt haben, über seine Freundschaft, über die Gemeinschaft, über das, was er uns bedeutet, was wir ihm verdanken.

Und wenn ich auf meine eigene Seele schaue, dann muss ich sagen, es ist das der einzig wirklich tragende Punkt, warum ich Christ sein möchte. Christus. Seine Feundschaft.  Das ist die Grundlage meines Lebens. Es ist das tragende Fundament, seine Freude. Es gibt keine wirkliche Traurigkeit als die, dass Dinge geschehen, die diese Freundschaft trüben.


Apostelgeschichte 2010:
Unter diesem Namen habe ich unsere ganze Diözese eingeladen zu einem missionarischen Weg, zu einem Weg des Zeugnisses, wie er am Anfang in der Apostelgeschichte festgehalten ist, wie sie von Stadt zu Stadt, von Land zu Land gegangen sind und Christus bezeugt haben. Dazu lade ich wieder ein. Zu nichts anderem als zur Erfahrung des Glücks dieser Freundschaft mit dem auferstandenen, dem gegenwärtigen Herrn. Ihn kennenzulernen, dazu wollen wir einladen.

Natürlich kann man weiterhin viel an der Kirche kritisieren (Anmerkung Wien-konkret zB kann man zu Recht die Mobilfunksendeanlagen in den Wiener Kirchtürmen, die Mikrowellen abstrahlen, kritisieren.). Oft sage ich Ausgetretenen: Wenn ich Ihnen nur vermitteln könnte, was es für ein Glück ist Christ zu sein. (Anmerkung Wien-konkret: Es gibt aus der katholischen Kirche ausgetretene Christen, die nicht wegen Christus ausgetreten sind, sondern wegen dem Verhalten von bestimmten Kardinälen und Bischöfen zB Hermann Groer, Kurt Krenn, und wegen gewisser wirtschaftlicher und politischer Aktivitäten der katholischen Kirche)

Ich weiß, wenn sie diese Erfahrung nicht gemacht haben, dann ist es schwer daran zu glauben. Aber ich kann es ihnen bezeugen. Was ist es? Letztlich ist es das, was wir eben im Evangelium gehört haben. Als Jesus die vielen, vielen Menschen sah, war er bis ins Innerste ergriffen von Mitleid, das griechische Wort, das hebräische Wort, das dahinter steht ist ein ergriffen sein bis in die Eingeweide „…?....“ Das Innerste. Es ist auch das Wort für den Mutterschutz.

Jesu Bamherzigkeit, Jesu Leidenschaft für die Menschen, besonders für die, wie es heute im Evangelium heißt, von denen er den Eindruck hat, sie sind wie Schafe ohne Hirten. Sie sind orientierungslos. Sie haben im Leben nicht diesen wunderbaren Halt, den der Glauben gibt. Jesus ist ein Begriff für Mitleid für die Menschen, nicht von oben herab, sondern aus dem innersten Herzen. …

In Österreich hat die Kirche in den letzten Jahren manche Demütigung erlebt (Anmerkung Wien-konkret: Die Kirchenmitglieder haben leider auch einige schmerzvolle Demütigungen durch die Kirche erleben müssen.). Viele haben sie verlassen, sehr viele, haben sich abgewendet enttäuscht, oder - was fast noch schmerzlicher ist – desinteressiert. Die Kirche war und ist für viele lächerlich, eine Randerscheinung, einfach uninteressant. Das Leben spielt sich anderswo ab. Es spielt nicht unsere Melodie.

Brüder und Schwestern: Heute im Angesicht Jesu, in seiner Gegenwart lade ich Sie ein, sagen wir ja zu dieser Armut, (Anmerkung Wien-konkret: Wenn man in goldbestickter Kleidung vor der Franziskaner Kirche auftritt und von Armut spricht, dann verliert man leider jegliche Glaubwürdigkeit. Der Heilige Franz von Assisi, der seine wertvolle Kleidung Bettlern schenkte, oder Jesus Christus - der einfache Schafhirte -, sollte noch heute jedem Christen - inklusive der Kardinäle und Bischöfe - Vorbild sein. Heute ist der Kardinal besser gekleidet als der nicht anwesende Bundespräsident Heinz Fischer, der nicht anwesende Bundeskanzler Werner Faymann, der nicht anwesende Vize-kanzler Josef Pröll und die nicht anwesenden Bundesminister von ÖVP und SPÖ. Unsere lieben Volksvertreter sind zwar auch nicht in Armut gekleidet, aber wesentlich näher beim Volk, als der Kardinal. Das muss man leider feststellen.)

... sagen wir ja zu unserer nicht so glorreichen Situation als Katholiken in diesem Land. Sagen wir es aber beherzt, denn Jesus erwartet von uns, dass wir seine Haltung, seine Leidenschaft für die Menschen im Herzen tragen, dass dir ihnen etwas von dem bringen, was nur er geben kann: Dem Sinn des Lebens, die Freude am Leben, das Ziel des Lebens. Sind wir bereit, Herr, Dir alles in die Hände zu legen? Unsere paar Brote und Fische, das Wenige, was wir haben. (Anmerkung Wien-konkret: Grundstücke, Gebäude, Palais, Wirtschaftsbetriebe, 

Sind wir bereit, alles in Deine Hände zu legen damit Du aus dem Wenigen genügend machen kannst für alle. Hier, in Deiner Gegenwart, im Sakrament sagen wir Dir Herr unsere Bereitschaft, von Dir Zeugnis zu geben. Von der Freundschaft mit Dir durch Worte und noch mehr durch unseren Blick, unser Verhalten, unser Tun und Denken.

Und so bete ich am Schluß das Gebet, das ich allen ans Herz lege in den nächsten Monaten, das Gebet für die Apostelgeschichte 2010 für den großen Missionsweg in unserer Diözese.

Herr Jesus Christus:
Du bietest uns Deine Freundschaft an.
Durch Deine Gegenwart schenkst Du uns Freude in Fülle und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns durch die Taufe in Deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit, Deine Zeugen in unserer Welt zu sein.
Im Vertrauen auf Deine Liebe und Barmherzigkeit lassen wir uns senden.
Stärke uns mit Deinem heiligen Geist.
Lass Dein Licht durch uns leuchten,
damit wir als wahrhaft Liebende Licht der Welt sein können
und so zum Segen für unsere Mitmenschen werden.
Amen.
 

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