Wien

1. Oktober 2016: Die Lange Nacht der Museen in Wien

Plan Lange Nacht der Museen Wien

Wer: rund 700 Kulturtempel in ganz Österreich nehmen an der "Langen Nacht der Museen" teil, davon ca. 90 in Wien.
Orte in Wien: Museen in Wien & ein paar weitere Institutionen.
Rechnen Sie mit langen Wartezeiten schon vor der Kassa des jeweiligen Museums.
Tickets: Die Eintrittskarten gelten in der langen Museumsnacht von 18.00 bis 1.00 Uhr als Eintrittskarte für alle beteiligten Museen und als Fahrschein.
=> Lange Nacht der Museen 2016



Die bedeutensten Museen & Schlösser in Wien:

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  Kunsthistorisches Museum          Albertina                Schloß Schönbrunn

Mehr Infos: => Museen in Wien     => Sehenswürdigkeiten in Wien



Die bedeutensten Kirchen Wiens:

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 Stephansdom,                  Peterskirche,                 Votivkirche,
 
Mehr Infos => Kirchenverzeichnis Wien



Monatlicher Autorentreff der Carpe Diem Literaturplattform Wien





Ort:
„Lies & Genieß“ Genussbuchhandlung
Adresse: Speisinger Straße 71, 1130 Wien
Wann: jeden 1. Mittwoch im Monat um 19 Uhr
Beschreibung: Dazu sind alle literaturinteressierten Menschen, Autoren und Autorinnen oder solche, die es noch werden möchten, herzlichst eingeladen.

=> Bücher lesen in Wien



Unser Kunst & Kultur - Angebot

In diesem Unterverzeichnis finden Sie Informationen aus den Bereichen Sehenswürdigkeiten, Kunst, Antiquitäten, Architektur, Museen, AusstellungenKonzerteTheater & Schauspiel, LiteraturKlassische und Pop- Musik und Geschichte in und von Wien.



Für alle Anlässe, von Vernissagen bis Konzerte und Eröffnungsfeiern:
 Catering          (Werbung)
 



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Geht Wien heuer auch ohne Sissi und Franz?

Die österreichische Hauptstadt ernennt im Klimt-Jahr 2012 einen neuen Stadtheiligen und entdeckt die Risiken einer allzu populistischen Vermarktung

Die Präsentation der hauseigenen Klimt-Sammlung in Wien-Museum am Karlsplatz: Nun mag das im Jubiläumsjahr – der Künstler des Jugendstils wäre heuer 150 Jahre alt geworden – an sich nichts Besonderes sein. Das obere Belvedere zeigt die weltweit größte Gemäldesammlung des bedeutendsten österreichischen Malers in einer Sonderausstellung. 6.000 Menschen wollen das derzeit täglich sehen, höre ich im Radio. Das Leopold Museum ehrt „Klimt persönlich“ mit vielen Originaldokumenten, Porträtfotos und Schriftstücken. Im Kunsthistorischen Museum wurde extra eine Brücke installiert, damit Klimts Wandgemälde in einer Höhe von 12 Metern betrachtet werden können.

Jubiläen verleiten oft zu einer unkritischen heroisierenden Huldigung des Jubilars. Dieser Versuchung entzieht sich das Wien-Museum mit seiner mutigen Ausstellungsvariante. Es zeigt wändehoch insbesondere Zeichnungen und Skizzen, akribisch aufgehängt, um die Genese der Arbeiten verfolgen zu können. Und stellt zugleich die Frage: Ist jede Bleistift-Studie ein Meisterwerk? So oder so, diese Schau ist ein Eldorado für Besucher, die auf Innenschau mit dem Künstler gehen wollen, Spurensuche inklusive.

Worst of Klimt
Aber auch außerhalb der Musentempel scheint nichts ohne den Jugendstilmaler zu gehen. Und genau das haben die Ausstellungsmacher im Wien-Museum zum Thema gemacht: Klimt sei zu einem neuen Stadtheiligen geworden, der in jüngster Zeit Blüten treibe, stellten sie fest. Und das fällt wahrlich in allen Läden auf, seien sie nun dem Tourismus zugewandt oder nicht: Vom Billigramsch bis zum Hochpreisprodukt, dazwischen viel Wohnungsnippes, Kitsch und Opulenz. Unvorstellbar, wofür „Der Kuss“ oder das Porträt von Emilie Flöge Vorlage liefern kann. Gustav Klimt beherrscht so die Innenstadt und verdrängt – manchmal auf verblüffende Weise – Stephansdom, das Prater-Riesenrad und sogar Sissi und Franz. Deshalb rief das Wien-Museum unter dem Motto „Worst of Klimt“ zu Beginn des Jahres via Facebook auf, schreckliche und absurde Klimtprodukte zu suchen. 140 Funde wurden aus aller Welt gepostet: Badeanzüge, Klodeckel, Särge, Weihnachtskalender. Zum Sieger wurde schließlich ein Schmuckei erklärt, mit Kuss-Figuren, die sich zur Melodie des Elvis-Songs „Can't Help Falling in Love“ drehen.

Überdosis Klimt – eine Gefahr für Wien?
Man darf gespannt sein, welche Konsequenzen die vom Museum angestoßene Diskussion für das Stadtmarketing hat. Vielleicht bleibt es aber auch ein ewiger Streitpunkt um eine Supermarke für eine Super-Stadt, die so reich ist an kulturellem Erbe und neuen künstlerischen Hoffnungen. „Unser wahres Analphabetentum ist das Unvermögen, schöpferisch tätig zu sein.“ Das soll Friedrich Hundertwasser gesagt haben. Es scheint, die Andenken-Industrie hat ihrem Alphabet noch ein paar Buchstaben hinzugefügt. Denn: Auch die Hundertwasser-Vermarktung ist über den Säulenleuchter bei der Radiergummi-Schlange angelangt. Dass die zerbrochenen Spiegel auf den Toiletten of modern art ebenfalls zum originären Kunstkonzept gehören, erfährt der Bedürfnisträger erst am Eingang zu den Sanitäranlagen im Hundertwasser-Village.

Femme fatale
„Ich kann auf schöne Frauen nicht verzichten. Sie sind für mich Musen“, erklärte einst Hundertwasser vor der Videokamera. Wer mag dem schon widersprechen. Klimt, wenn er noch leben würde, schon gar nicht. 16 uneheliche Kinder werden ihm nachgesagt, aber nur drei sollen nachgewiesen sein. Zeitgleiche Mehrfachbeziehungen zu seinen Modellen haben die Phantasie der Zeitgenossen erblühen lassen. Und wer einmal seine Version der „Judith“ gesehen hat, ahnt, warum er die alttestamentarische Heldin und Retterin ihres Volkes in seine Femme fatale verwandelte. Nichts ist hier von einer frommen, gottesfürchtigen Keuschheit übrig geblieben. Ein lockendes Weib, unzulänglich verhüllt, begegnet dem Betrachter mit lasziven Lächeln.

Meisterwerke
Mit meiner Muse lande ich aber schlußendlich doch im Hotel Sacher und Cafe Dehmel bei Einspänner und Torte. Warum soll es auch gerade in Wien ohne Klischee gehen? Und ohne Sissi und Franz? Denn um bei der Wahrheit zu bleiben: Vor den Kaiserappartments warten die längsten Besucher-Schlangen.
Sie haben also mit starker Konkurrenz aus dem eigenen Hause zu kämpfen, all die Mozart-Doubles, die um die Wiener Burg und überall in der Innenstadt die allabendlichen Kostüm-Konzerte anpreisen. Auch vor dem Palais Palffy stehen die werbenden Mozarts. Hier soll bereits ihr Vorbild im zarten Kindesalter vorgespielt haben. Aber der Ort am Josefsplatz in unmittelbarer Nähe der Spanischen Hofreitschule ist noch aus einem anderen Grund ein echter Geheimtipp. Hier befindet sich seit einem Jahr das internationale Museum phantastischer Kunst, das eine informative wie hochkarätige Sammlung zeitgenössischer Werke des magischen und phantastischen Realismus zeigt. Wer Glück hat, trifft auf eine Künstlerlegende: Ernst Fuchs, einen der Begründer der Wiener Schule des phantastischen Realismus. Der heute 82-jährige hat neben der ständigen Ausstellung im Palais Palffy sein Atelier.
Noch ein Tipp für seltenen und ungestörten Kunstgenuss: die Gemäldegalerie in der Akademie der Künste. Versteckt hinter der Fassade der Kunsthochschule befindet sich eine der drei bedeutenden Sammlungen alter Meister in Wien. Und Hieronymus Boschs Weltgerichtstriptychon. So nahe wie hier komme man sonst nie einem Kunstwerk dieser Rangordnung, macht mich eine Security-Dame aufmerksam. Um mir gleichzeitig mit Wiener Charme verstehen zugeben, dass sie der Kuli in meiner Hand furchtbar nervös macht, als signifikante Gefahr für all die kostbaren Leinwände. Auf eine Milliarde Euro werde mittlerweile der Wert von Boschs Flügelaltar geschätzt, erklärt sie mir. Ohne Beschädigungen durch Besucher, versteht sich.

Dr. Klaus Freyer,
BRD - 07551 Gera       1. Oktober 2012