Allgemeines zur Buchpräsentation "Nebenwirkung Handy"Im Verlagshaus der Ärzte ist ein aktuelles Buch unter dem Titel "Nebenwirkung Handy - Schaden Mobiltelefone unserer Gesundheit?" erschienen. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierte die Wiener Ärztekammer über diese Neuerscheinung sowie die aktuellen Ergebnisse der internationalen Forschung zum Thema Handystrahlen.
Dr. Walter Dorner, Präsident der Wiener Ärztekammer
Der Präsident der Wiener Ärztekammer Dr. Walter Dorner begrüßte ca 40 Journalisten zur Buchpräsentation "Nebenwirkung Handy" • Mit dem damals konzipierten Plakat „10 medizinische Handy-Regeln“ konnten wir Ärzte und Patienten auf einen sorgsamen Umgang mit Mobilfunktelefonen aufmerksam machen. Im Rahmen der Informationskampagne wurden immer mehr Leute auf das Thema aufmerksam. • Das Plakat fand seinen Platz nicht nur in zahlreichen Ordinationen, auch in Schulen, Vereinshäusern, Jugendclubs etc. hängen die „Handy-Regeln“ mittlerweile an den Wänden. • Vielen Menschen bereiten die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung Sorgen, das wird an der enormen Nachfrage der „Handy-Regeln“ immer wieder ersichtlich. Immerhin mussten aufgrund der zahlreichen Anfragen bereits 21.500 Stück gedruckt werden. • Auch im Ausland stößt das Plakat auf großes Interesse: Daher gibt es die Plakate nun in Englisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch, Polnisch, Ungarisch und Niederländisch. • Die Ärztekammer fordert: - die Kennzeichnung der Handys mit SAR-Werten, die angeben, mit welcher Abgabe elektromagnetischer Strahlung der Benutzer rechnen muss, sowie die • Die Mobilfunkbetreiber streiten weiterhin jegliches Risiko einer Gesundheitsgefährdung für Kinder kategorisch ab und unternehmen nichts, um die gesundheitlichen Auswirkungen des Telefonierens mit dem Handy auf Kinder und Jugendliche zu untersuchen. Im Gegenteil: Mittels Werbemaßnahmen wird ein positives Bild über Handys in der Öffentlichkeit vermittelt, zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen gibt es keine Meldungen in den Medien. Das Image des Handys muss sich ändern! • Wir können uns hier definitiv als Vorreiter auf diesem Gebiet bezeichnen: Dr. Erik Randall Huber: Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien
Die Rede von Dr. Erik Randall Huber wird hier großteils wörtlich wiedergegeben: Wir haben dieses Buch eben aus diesem Grund herausgegeben, um den Eltern, Lehrern und allen Menschen – die gesundheitsorientiert sein wollen – die Möglichkeit zu geben, aus einem anderen Blickwinkel Informationen zu bekommen, die aus einer medizinischen Sicht und nicht aus einer beschönigenden Sicht über Mobiltechnologie. Die Ärztekammer fordert schon lange, dass auf strahlungsarme Handys gesetzt wird und das diese auch beworben und gekennzeichnet werden. Das Problem ist, wenn Sie heutzutage ich ein Geschäft gehen, dann fragt kein Kunde nach dem SAR Wert (= spezifische Absorptionsrate), d.h. die Energie, die vom Gehirn aufgenommen wird, wenn Sie mit dem Handy telefonieren. Das sind immerhin bis zu 90% der abgegebenen Energie eines Handys. Sie können sich vorstellen, wie viel Akkuladungen Sie in der Woche, im Monat, im Jahr an Ihr Gehirn abgeben, welche Ihr Gehirn aufnehmen muss. Deshalb sind auch wenig Anreize für die Industrie gegeben, auf strahlungsarme Handys zu setzen und neuere Technologien einzusetzen, die gesundheitlich verträglicher sind. Aus diesem Grund ist unser Buch seit letztem Freitag in jeder Buchhandlung zu beziehen. Was ist das Grundproblem beim mobilen Telefonieren? Das Grundproblem – wie beim Rauchen – ist, dass die Schäden sehr langsam und unmerklich auftreten. Eine erst kürzlich veröffentlichte Metastudie - das ist ein groß-angelegte Studie, die viele Studien zusammenfasst und somit auf einen ausreichenden Datenpool zurückgreifen kann – hat eben nachgewiesen, dass nach mehr als 10 Jahren Handynutzung das Hirntumorrisiko um bis zu 200% erhöht ist. Sie sehen also, dass die Evidenz für die schädliche Wirkung von Mobiltelefonie eigentlich ganz klar ist. Seriöse Wissenschafter streiten heute nicht mehr darum, ob Mobiltelefonie schädlich ist, sondern nur mehr darum, wie schädlich sie ist. Das große Manko, dem wir heute ausgesetzt sind: Es fehlt die „Smoking Gun“. Es fehlt der Beweis des kausalen Zusammenhangs, dass Mobiltelefonie diese Schäden macht. Wir sehen zwar ein erhöhtes Hirntumorrisiko, wir sehen bei Zellen eine Zerstörung von DNS, wir wissen aber noch nicht, wie es dazu kommt. Das gibt der Mobilfunkindustrie immer wieder Gelegenheit, in der Öffentlichkeit diese Ergebnisse zu negieren und als Zufall darzustellen. Ich möchte Ihnen aber trotzdem ein Beispiel dafür geben, wie lange es dauern kann, um einen tatsächlichen Beweis zu machen (=> Beispiel Rauchen). Ich hoffe nicht, dass es beim Mobilfunk so lange dauern wird, bis wir ausreichende Vorsorgemaßnahmen haben und es dann – möglicherweise – schon zu spät ist. Ein Handyverbot ist in unseren Augen aber kontraproduktiv. Wir setzen mehr auf Aufklärung, um ein Riskobewußtsein zu schaffen. Hier sind Lehrer und Eltern angesprochen. Aber auch die Mobilfunkbetreiber könnten den Kindern unsere 10 Handyregeln mit auf den Weg geben. … Ebenso ging es mir in diesem Buch nicht darum, eine Technologie zu verteufeln, sondern ich wollte einen risikobewußten Umgang mit Handys aufzeigen. … Herzlichen Dank" Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi: Leiter des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien
Die Rede von Univ. Prof. Dr. Michael Kundi wird hier großteils wörtlich wiedergegeben: Ich möchte Ihnen ein bisschen erzählen über die Geschichte der Auseinandersetzungen in der Wissenschaft zu diesen Fragen. Sie wissen vielleicht, dass moderne Mobilfunksysteme zu Beginn der 1990-ziger Jahre (1992/1993) in Europa eingeführt wurden. Das waren die digitalen Systeme. Diese haben zu einer derartig sprunghaften Verbreitung dieser Technologie geführt, dass niemand vorher damit gerechnet hat, dass es derartig durchschlagen würde. Man hat gedacht, man ersetzt die alte analoge Technologie und es werden genauso 20.000 – 40.000 Österreicher digital telefonieren. Das war nicht der Fall, sondern es gab einen ersten Boom bereits in den frühen 1990-ziger Jahren. 1995 haben wir so viele Anfragen an unser Institut für Umwelthygiene , zu den gesundheitlichen Fragen in Zusammenhang mit dieser neuen Technologie, dass wir uns gesagt haben, wir müssen uns das genauer ansehen. Wir haben dann bei Kollegen herumgefragt. Wir haben uns bemüht hier Fakten zu finden zu den gesundheitlichen Folgen dieser Technologie. Wir haben so Statements gefunden wie: „Es existieren 10.000 Untersuchungen zu diesem Thema und es gibt keine gesundheitlichen Auswirkungen“. Wir haben uns dann gewundert, dass wir nicht in der Lage sind, diese Studien zu finden, denn 1995 haben wir keine einzige Untersuchung zu dieser neuen Technologie gefunden. Es gab sie auch nicht – kann ich Ihnen sagen. Diese tausenden Studien – oder damals sogar 10.000 Studien – sind eine reine Mystifikation und gehen auf die Aussage eines australischen Mobilfunkbetreibers hin, der das behauptet hat. Und es ging einfach über Internet und solchen Kanälen in die ganze Welt und niemand hat sich klar gemacht, dass diese Technologie eingeführt wurde, ohne dass es eine Abklärung von Nebenwirkungen gibt. Und wir haben damals gesagt, dass kann man so nicht machen. Es beginnt sich eine Technologie auszubreiten, dass eine Mikrowelle an den Kopf gehalten wird und das führt zur Belastung von vielen Menschen, die noch niemals in der Geschichte da war. Es gab kein Massenprodukt vorher, das eine derartige Exposition verursacht hat. Wir haben daher gesagt: Man muss hier Vorgehen wie bei jedem anderen Faktor, der aus der Umwelt oder Arbeitsplatz auf uns einwirkt. Wir brauchen also eine wissenschaftliche Risikobewertung. Und was braucht man dazu in der Wissenschaft? Man verwendet dazu vier Quellen von Daten: Das sind die Basisdaten, die wir bei jeder Risikobewertung aus der Umwelt – nicht nur Mobilfunk – heranziehen. Und wir haben dann gesagt, wir müssen das auch beim Mobilfunk machen und haben ein entsprechende Forschungsprogramm formuliert. Wir sind dann jahrelang von einem Ministerium zu anderen Ministerien gepilgert, um eine Forschungsförderung zu bekommen (nicht für uns). Nicht das Sie glauben, wir haben das für uns selber machen wollen, sondern wir haben vorgeschlagen, dass eine unabhängige Institution zB die Österreichische Akademie der Wissenschaften dieses Geld verwalten und entsprechende Forschungsanträge prüfen wird und dann diese Gelder vergibt. Es ist niemals dazu gekommen. Das kann ich Ihnen gleich sagen. Wir haben dann 1998 eine internationale Tagung zu diesem Thema organisiert, wo wir wieder vorgeschlagen haben, es müsste eine derartige Risikobewertung erfolgen. Inzwischen sind wir Gott-sei-Dank ein bisserl weiter. In anderen Ländern gibt es inzwischen eine Forschung. Die Datenbasis ist nun wesentlich besser, als sie damals war. Wir haben in der Zwischenzeit einige hundert Untersuchungen zu diesem Thema. Wir können daher seriös herangehen, das Risiko zu bewerten. Es ist natürlich noch etwas früh. Wir haben außerdem noch das Problem, dass sich die Technologie ständig ändert. Wir haben zuerst die analoge Technologie gehabt, dann ab 1992/93 die digitale. In der Zwischenzeit haben wir die Mobiltelefone der 3. Generation (UMTS) und die 4. Generation steht schon in den Starlöchern. Es wandelt sich die Technologie. Das macht die Risikobeurteilung nicht einfacher. Was wir heute beurteilen können ist mehr oder weniger die Technologie, die es nicht mehr gibt. Wir kommen also – wie die Eule der Minerva – immer erst hinterher. Und das ist zugegebener Maßen ein Problem. Wir müssen sagen, dass die Erkenntnisse die wir heute haben – die der Kollege Huber vorher vorgetragen hat – nämlich des Langzeittelefonierens über viele Jahre hinweg das Risiko für Gehirntumore erhöht, das geht natürlich auf eine Technologie zurück, die heute nicht mehr vorhanden ist. Aber ich muss Ihnen sagen, in der Umweltmedizin gibt es da eine Regel. Diese Regel lautet: Schadwirkungen kann man generalisieren von Gleichem auf Ähnliches. Wir können aus Vorsorgegründen diese Risiken – die wir festgestellt haben – für eine heute nicht mehr existierende Technologie verallgemeinern, auf die heute vorhandene Technologie. Und deshalb ist es durchaus im Sinne der Vorsorge, wenn wir über die heutige Technologie zu wenig oder nichts wissen, das was wir von der vorangegangenen Technologie das Wissen reicht aus, um entsprechende Vorsorge zu entwickeln. Wie gesagt: Was wir heute vorliegen haben sind vorwiegend Daten, die auf eine nicht mehr vorhandene Technologie zurückgehen (Epidemiologien). Wir haben aber auch andere Quellen für unsere Risikobeurteilung. Beispielsweise die Untersuchung von Zellsystemen. Wie wirkt sich die Exposition von Zellsystemen aus? Hier können wir durchaus sehen, dass es Änderungen gibt, die völlig unabhängig davon sind welche Technologie ich einsetze, wenn nur ein Element vorhanden ist, nämlich wenn es sich um niederfrequent modulierte Signale handelt. Das wird Ihnen jetzt nicht viel sagen. Ich kann Ihnen sagen, dass die Technologie - die wir heute haben - solche Elemente enthalten, auch die Mobiltelefone der 3. Generation – des UMTS – hat solche niederfrequente Modulation des Signals. Wir haben also kein stetiges Signal, sondern ein Signal hat niederfrequente Komponenten. Es scheint so zu sein, dass diese Komponenten die wesentlichen sind bei der Auslösung von Phänomenen, wie sie vorhin geschildert wurden. Die wissenschaftliche Faktenlage ist weiter, als sie noch vor Jahren war. Sie ist aber noch immer nicht ausreichend, dass wir Einigkeit in der Wissenschaft erzielen können, zu sagen: JA, hier besteht ein kausaler Zusammenhang. Also es gibt durchaus seriöse Wissenschaftler, die nicht dieser Auffassung sind. Es gibt einfach eine Bandbreite von durchaus berechtigten Unterschieden in den Interpretationen. Was es aber nicht geben sollte, wäre bewusste Fehlinterpretation. Und leider gibt es auch das – weniger in der Wissenschaft, als in der Umsetzung durch die eine oder andere Interessensgruppe. Und ich möchte da gar nicht die andere Seite – diejenigen die befürchten, dass nahezu alle Krankheiten hervorgerufen werden können durch Mobilfunk – auch nicht ausnehmen, sowohl die Industrie, wie auch bestimmte Vertreter von Bürgerinitiativen usw., die über das Ziel hinausschießen und die Fakten nicht korrekt interpretieren. Aber so wie die Evidenz heute vorliegt, können wir durchaus unterstreichen, was Präsident Dorner und Dr. Huber vorhin gesagt haben. … Im Rahmen des 7. EU-Forschungsprogramms sind auch Untersuchungen in diese Richtung (Kinderforschung) geplant, aber es passiert auf dem Sektor der Vorsorge noch viel zuwenig. Denn bevor wir diese Daten haben, können wir aus rein theoretischen Überlegungen – die Ihnen Dr. Huber vorhin geschildert hat – schon vermuten, dass das Risiko höher ist. Diese Vermutung sollte aus Vorsorgegründen ausreichen. Damit möchte ich schließen Das Buch und die Autoren:
Dr. med. Erik Randall Huber ist Arzt für Allgemeinmedizin sowie Portarzt, Notarzt und Umweltmediziner. Er leitet seit 2002 das Referat für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien und hat in dieser Funktion im Sommer 2005 die zehn medizinischen Handyregeln formuliert. Rückfragehinweis:Pressestelle der Ärztekammer für Wien, Weiterführende Informationen:* Mobilfunk & Handy : Allgemeine Informationen |
||||||||||||||||||||||||||||