Wien
    

Sonnenbaden



Foto: Zuviel Sonnenbaden trägt zu erhöhten Hautkrebsrisiko bei ; © R.M.

Wie die Sonne unter die Haut geht

Die Sonne. Sie regt Stoffwechsel und Hormon-Bildung an. Sie stärkt die Abwehrkräfte und hebt das allgemeine Wohlbefinden. Die Haut bildet Vitamin D, was den Knochenbau unterstützt. Doch die Sonne kann für den Menschen auch gefährlich werden.

"Sonnenbrände nach zu intensivem Sonnenbaden werden oft heruntergespielt", sagt Dr. Heinz Peter Slatin, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. "Schnelleres Altern der Haut oder vermehrte Faltenbildung sind noch die harmlosesten Folgen. Es gilt heute als erwiesen, daß zuviel Sonne zur Entstehung von Hautkrebs beiträgt."

Etwa jeder 100. Österreicher bekommt einmal in seinem Leben ein Melanom. Jährlich sterben daran etwa 250 Menschen. Weltweit erkranken immer mehr Menschen an Hautkrebs. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung. "Wer beim Sonnenbaden einige Regeln befolgt, der kann das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, stark senken", so Slatin.

Ausschlaggebend ist der Hauttyp. Insgesamt gibt es vier davon: Hauttyp I mit sehr heller Haut, rothaarig, Sommersprossen, bräunt nie. Ungeschützt dauert es bis zum Sonnenbrand etwa zehn Minuten (Eigenschutzzeit). Der Lichtschutzfaktor bei Sonnenschutzmittel ist 12 bis 15. Das bedeutet, zehn Minuten Eigenschutz multipliziert mit Lichtschutzfaktor 15 ergibt eine Aufenthaltsdauer von 150 Minuten in der Sonne. Hauttyp II mit heller Haut, blonden Haaren wird immer rot, bräunt selten. Bis zum Sonnenbrand dauert es etwa 20 Minuten. Lichtschutzfaktor 8-10. Hauttyp III hat brünette Haare, wird manchmal rot, bräunt immer. Bis zum Sonnenbrand dauert es etwa 30 Minuten. Lichtschutzfaktor 4-6. Hauttyp IV ist dunkelhaarig, braunhäutig, wird niemals rot, bräunt immer. Bis zum Sonnenbrand dauert es etwa 50 Minuten. Lichtschutzfaktor bis 4. "Diese Faktoren sind natürlich individuell verschieden und lassen sich am besten vom Hautarzt bestimmen", so Slatin. "Sie sind auch vom Aufenthaltsort und der Uhrzeit abhängig. Die Strahlung im Gebirge ist unterschiedlich zu der am Meeresstrand."

Um Melanome rechtzeitig zu erkennen, sollte jeder Sonnenanbeter ab und zu die Haut nach Veränderungen absuchen. Die Male können dabei nach der A-B-C-D-Regel beurteilt werden. A wie Asymmetrie: die Male sind unregelmäßig. B wie Begrenzung: an den Rändern scheint das Mal auszulaufen. C wie Colour: das Pigmentmal ist an einigen Stellen heller oder dunkler. D wie Durchmesser: ist das Mal größer als 5 Millimeter, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Slatin: "Grundsätzlich gilt es sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sich ein Mal vergrößert, die Farbe ändert, schuppig, rauh oder knotig wird, juckt, schmerzt oder sich entzündet."

Wer während seines Lebens Sonnenbrände sammelt, riskiert vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs. Doch dieser Gefahr kann sehr leicht begegnet werden. Praktisch jeder verfügt über die richtigen Mittel dazu: "Mit Hut, Hemd, Hose und Sonnenbrille kann ein Sonnenbrand verhindert werden", sagt Dr. Heinz Peter Slatin, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. Wer gerne in der Sonne liegt, sollte auf jeden Fall einige Regeln beachten.

"Am einfachsten ist es, Sonnenbrände mit entsprechender Kleidung zu vermeiden", so Slatin. Auf Körperstellen, die von der Kleidung nicht bedeckt werden, Sonnenschutzmittel auftragen. "Diese Mittel benötigen Zeit, um ihre Schutzfunktion voll zu entfalten. Also unbedingt etwa eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden auftragen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, beim Baden wasserfeste Schutzmittel zu verwenden", sagt Slatin.

Um die Haut an die Sonne zu gewöhnen, ist es besser, die ersten Urlaubstage im Schatten zu verbringen. Aber Vorsicht: Auch Sonnenschirme oder eine dünne Wolkendecke lassen noch genügend Strahlung für einen Sonnenbrand durch. Über Mittag ist die Sonneneinstrahlung am intensivsten. Die Einheimischen halten deshalb zu dieser Zeit Siesta. Urlauber täten gut daran, diesem Beispiel zu folgen, um der Haut eine Erholungspause zu gönnen. Sie sollten auch auf Parfüms und Deodorants in der Sonne verzichten. Es könnten bleibende Pigmentflecken entstehen. Bei der Anwendung von Medikamenten ist Vorsicht vor lichtsensibilisierenden Nebenwirkungen geboten.

"Auch wenn Sonnenschutzmittel mehrmals hintereinander aufgetragen werden, verlängert dies nicht die Sonnenschutzzeit", warnt Slatin. Häufiges Einschmieren sei aber wichtig, um die Schutz- und Pflegewirkung zu erhalten. Dabei sollten auch Lippen und Haar nicht vergessen werden. Dafür gebe es eigene Produkte, die beispielsweise in Apotheken erhältlich seien. "Auch nach dem Sonnenbad braucht die Haut Pflege, um ihr verlorene Feuchtigkeit und Fett wieder zurückzugeben", sagt Slatin. "In den After-Sun-Produkten finden sich die notwendigen Inhaltsstoffe."

Ab der Geburt beginnt ein Ansparen auf einen chronischen Lichtschaden. "Sonnenbrände im Kindesalter können in späteren Lebensjahren die Entstehung von Hautkrebs begünstigen", sagt Dr.Heinz Peter Slatin, Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. Die jährliche UV-Belastung sei bei Kindern etwa dreimal so hoch wie bei Erwachsenen. Die einfache Erklärung dafür: Kinder halten sich mehr im Freien auf als Erwachsene.

Sonnenschutz im Kindesalter ist also besonders wichtig. "Neugeborene und Babys sollten immer im Schatten bleiben. Im ersten Lebensjahr sollte auch keine Sonnencreme aufgetragen werden. Stark trocknende Cremen mit hohem Alkoholgehalt sind für Kinder ungeeignet", so Slatin. Morgens und am Nachmittag sei die Sonne nicht so stark, mit entsprechender Kleidung sei das Kind bestens geschützt. Slatin: "Tuch, Kappe oder Hut schützen den Kopf. Zu achten ist darauf, daß auch das Gesicht und der Nacken nicht der Sonne ausgesetzt sind. Sonnendichte und nicht zu enge T-Shirts oder Hemden gehören genauso dazu wie weit geschnittene lange Hosen. Wichtig auch die Schuhe, die auch den Fußrücken vor Sonnenbrand schützen sollen."

Neben der Haut sind auch die Augen durch zuviel Sonne gefährdet. Dabei wird oft darauf vergessen, daß stark reflektierende Flächen wie Schnee oder Wasser die Strahlung verstärken. "Hornhaut, Linse und Netzhaut im Auge sind durch zuviel UV-Strahlung gefährdet", sagt Slatin. Abhilfe schaffen Sonnenbrillen, die die UV-Stahlung filtern. Wie dunkel eine Sonnenbrille getönt ist, sei egal. Wichtig sei nur der Schutz vor UV-Strahlung. Gerade bei Kindern sollte aber auch daran gedacht werden, Brillen mit einem bruchsicheren Rahmen zu verwenden.

Autor: Österreichsiches Rotes Kreuz