Wien
    

Die Ratschabuam zu meiner Zeit


 Wenn die Ratschabuam vor Ostern durch die Ortschaften gengan,
und voller Übermut mit ihren Ratschn durch die Gassn dann rennan,
da denk ich, dass ich in meinen Kindertagen,
auch immer dabei war, da hat sich allerhand zugetragen.

  Es gab immer was zu tun in unserem Weinhauerhaus-
Doch in der Karwoche wollt ich zum Ratschen hinaus.
Am Gründonnerstag Abend hat die Sache begonnen,
wir Buben haben es damals todernst noch genommen.

  In 2 Gruppen ging es vom Pfarrhof dann los.
Bisamberg war ja damals noch lang nicht so groß!
Eine Gruppe ging am Berg-sie wurden die „Bergler“ genannt-
Die anderen im Dorf, sie waren als „Dörfler“ bekannt.

  Zwischen dem Ratschen wurde immer ein Verslein gesungen,
es hat sicher nicht immer recht andächtig geklungen.
„Wir ratschen, wir ratschen zam, die Glocken san in Rom,
und wenn sie kommen wieder nach Haus, dann läuten sie im Gotteshaus.

  Die Aufregung stieg, es kam näher die Nacht,
bei einem Bauern im Ort haben wir diese dann verbracht.
Die „Dörfler“ bei dem einen im Stadl im Heu,
die „Bergler“ bei dem anderen, das war uns nicht neu.

  Die Bäuerin hat uns Essen und Frühstück gegeben,
ich weiß nicht, ob die heutigen Buben das auch noch erleben.
In der Nacht wurden den anderen die Tore versperrt,
denn als erster beim Ratschen, das war uns viel wert.

  Am nächsten Tag waren wir wieder bereit,
wir gingen damals öfter, nicht so wenig wie heut.
Jedes Mal sangen wir ein anderes Lied,
sich das zu merken, das machte uns müd.

 „Wir ratschen, wir ratschen die Pumpermetten alle Weiber, stehts auf, machts Osterflecken.
Wir gfreun uns schon drauf, auf die Osterflecken.
Bei „alle Weiber“ drehten wir den Text gerne um,
wir sangen „alte Weibe“, aber das nahm uns kaum einer krumm,

  Und noch eine Geschichte fällt zum Ratschen mir ein:
Sie handelt schon damals vom Bisamberger Wein.
Ab sechs in der Früh, beim Pfarrhof beginnts,
unausgeschlafen machten wir unseren Dienst.

  Es ist noch stockdunkel, kein Mensch war schon auf-
So gingen wir Buben die Kellergasse hinauf.
Beim Schott seinem Keller haben wir Licht schon gesehn,
das nützten wir aus und blieben dort stehn.

  Für eine Extratour ratschen lud er uns ein,
auf nüchternen Magen tranken wir Wein.
Das hat wenig später Wirkung gezeigt,
als Ratscherbua ratschen ist nicht immer leicht!

  Am Ende der Straße, beim Rodler ums Eck,
rauchten wir einige „3er“,haben die scheußlich geschmeckt!
Am Vormittag kamen wir endlich nach Haus,
im Gsicht kreidebleich-„ja wie schaust du denn aus?“

  So empfing uns die Mutter, sie wusste ja nicht,
Zigaretten und Wein prägten unser kindlich Gesicht.
Sie meinte die Anstrengung wäre für uns viel zu groß,
doch nach 2 Stunden Schlaf zogen wir wieder los.


          Heudorn Toni aus Bisamberg
          Weinhauer in Pension                 März 2010