Wien

Was ist ein "Front-Office" im Magistratischen Bezirksamt?

Der Informationsdienst der Stadt Wien gibt Auskunft:

Sehr geehrter Herr Marschall,

Sie schreiben "für Nicht-Lateiner: was ist ein front office?"

Der Begriff stammt allerdings nicht aus dem Lateinischen stammt, sondern ist der englischen Sprache entlehnt ...also sollte man es vermutlich auch Lateinern erklären ...

Zur Sache: Front office/ergänzt durch back office ist der Begriff für eine Organisationsform, die es den Bürger/innen ermöglichen soll, möglichst viele Angelegenheiten "in einer Hand" und gleich an Ort und Stelle zu erledigen.

Sprich: der früher oft etwas mühsame Amtsweg soll verkürzt werden ("die Akten sollen rennen, nicht der Bürger"). Im Front Office kümmert sich jeweils ein/e Sachbearbeiter/in um das Anliegen des/der Kund/in. Sie haben als Bürger/in damit eine/n Ansprechpartner/in, der oder die versucht, Ihr Anliegen auch gleich an Ort und Stelle zu erledigen (z. b. Meldeservice, Pass-/Fundangalegenheiten, Gewerbefragen, Parkpickerl usw.).

Man muss also nicht mehr den/die zuständige/n Sachbearbeiter/in suchen, sondern findet einen freundlichen Empfangsbereich vor, wird von einem/einer Mitarbeiter/in nach dem Wunsch gefragt, zu Erledigungstischen geführt und kann - wenn es sich um einfach zu erledigende Angelegenheiten, etwa die Anmeldung eines freien Gewerbes, handelt -, so man alle nötigen Dokumente mit hat, gleich mit der Erledigung gehen.

Front Offices gibt es bisher bei den MBAs für den 1./8., den 3., den 4./5., ab 16. Jänner für den 9., außerdem für den 11., 15., 16. und den 22. Bezirk.

Tja, und wenn wir eine deutsche Bezeichnung gefunden hätten, die all dies in einem Wort ausdrückt und von allen akzeptiert wird, hätten wir sie eingesetzt. Ich bin auch keine Anhängerin vom Denglischen, aber manchmal ist es unerlässlich, siehe Internet, Email usw..,

Mehr Infos: www.wien.at/mba/frontoffice.htm

Mit besten Grüßen Ihre
Helga Ruzicka-Stanzel
PID-Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien
Tel. +431 4000 81856,  Faxx +431 4000 99 81856
email:
ruz@m53.magwien.gv.at
 



Replik der Redaktion von Wien-konkret.at

Sehr geehrte Frau Ruzicka-Stanzel!

Danke für die prompte Antwort und noch dazu in den Weihnachtsferien !

Wie gesagt, den Begriff "Front-office"- also übersetzt so viel wie "Kundenfrontbüro" - finde ich eher verwirrend. Im Englischen würde ich das neue System der Verwaltung in den Magistratischen Bezirksämtern eher als „One-Stop-Shopping“ (…möglichst viel in einer Hand…) bezeichnen, obwohl es sich in einem Magistratischen Bezirksamt keinesfalls um ein "Einkaufserlebnis / shopping" handelt. Im Manager-Englisch könnte ich mich noch in Anlehnung an „one face to the customer“, mit „one face to the citizen“ anfreunden.

Als „front-office“ zB einer Bank, verstehe ich die Schnittstelle zum Kunden in einem tatsächlichen Büro oder in einer Filiale. „Back-office“ sind die Organisationseinheiten, die intern - also ohne Kundenkontakt - den Kundenauftrag abwicklen.

Jedenfalls ist es sehr erfreulich, dass in Zukunft bei den Wiener Bezirksämtern der Akt und nicht der Bürger laufen soll.

PS: Laut Art. 8 B-VG ist Deutsch die Amtssprache, auch wenn der Behörde gerade kein Wort einfällt
“Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.“

PPS: Vielleicht sollte man das „front-office“ (Kundenfrontbüro; früher Amtsstube) unseren Politikern zu Folge auch „War-room“ nennen, da es ja mehrere Fronten gibt
J

Mag. Robert Marschall
29. Dez. 2006
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