Wien

Maria Theresien Schlössl in Floridsdorf, Wien

Baugrube Maria Theresien Schlössl in Floridsdorf, Wien



Baugruben-Fotos vom Oktober 2011; © Sissy Danninger

Bürgerinitiative: "Jedlesee erhalten"
Alter des Schlössls: über 300 Jahre
Adresse: Lorettoplatz 5, 1210 Wien
Geplant: 140 Wohnungen in 5 Geschossen
Bürgerinitiative 2008 gegründet, aber nicht mehr aktiv: 2.300 Unterschriften
Kontakt: Sissy Danninger
E-mail : jedlesee-begehrt-auf@speed.at
Website => http://sites.google.com/site/keinbaulandstattgruenland/

Die am Ende des Mediationsverfahrens im November 2009 verbliebenen fünf Vertreter (eine Person war aus Protest ausgeschieden) stimmten entgegen dem Auftrag der 2.300 Unterzeichner der Verbauung zu.
Die BI ist mittlerweile nicht mehr aktiv



15.9.2011 Jedleseer Schlössl: Baucontainer nun daneben statt davor aufgestellt

Jedleseer Schlössl



In der ersten Septemberhälfte 2011 wurden die ursprünglich illegal aufgestellt gewesenen Baucontainer nach insgesamt 21 Monaten im Vorgarten des kleinen, barocken Maria Theresien-Schlössls in Alt-Jedlesee in Wien-Floridsdorf endlich entfernt. Zurück blieb ein verwüsteter, vertrockneter Bereich, der freilich in diesem Zustand mit dem desolaten, 300 Jahre alten Gebäude bestens harmonierte.
   Ebenfalls in der ersten Septemberhälfte intensivierten sich unübersehbar die direkten Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung der bis zu fünf Geschoße hohen Wohnblöcke im alten, zwei Hektar großen Garten hinter dem ebenerdigen, einstigen Herrschaftshaus, das noch bis vor knapp zehn Jahren ein identitätsstiftendes Alt-Jedleseer Baujuwel gewesen war.  
   Die Container waren nur ein paar Meter weiter transportiert worden – auf den Platz neben der Westseite des Schlössls. Dieser sollte gemäß Mediationsvereinbarung im Gegenzug zur (im Juni 2010 erfolgten) Umwidmung des ehemaligen Schlössl-Gartens von Grünland zu Bauland dem angrenzenden Schutzgebiet des Wald- und Wiesengürtels wieder hinzugefügt werden. Er war seinerzeit für den 2003 geschlossenen Tennisclub vom Schutzgebiet abgetrennt worden, wodurch sich dieses hier zu einem Flaschenhals verengt hatte. Von einer Ausweitung der Baustelle für die Errichtung der neuen Siedlung mit rund 140 zugleich Pacht- und Mietwohnungen in den geschützten Grüngürtel war in der Mediationsvereinbarung jedenfalls keine Rede gewesen.
   Die Wertigkeiten der angeblich rechtlich bindenden Resultate des Mediationsverfahrens, der Bestimmungen des Denkmalschutzes sowie auch des Naturschutzes scheinen sich, zumindest im konkreten Fall, aneinander anzugleichen – und dabei allesamt gegen null zu tendieren.
   Vor der Umwidmung des einstigen Schlössl-Gartens in Bauland vor etwas mehr als einem Jahr hätten laut Mediationsresultat Flora und Fauna auf dem strittigen Areal durch die Naturschutzabteilung der Gemeinde Wien, die MA 22, untersucht werden sollen. Das geschah nicht.
   Was den Denkmalschutz betrifft, erhielt kürzlich ein besorgter Floridsdorfer Bürger auf seine Anfrage an das Bundesdenkmalamt die stilvoll amtliche Bestätigung der Ineffizienz einschlägiger, gesetzlicher Bestimmungen. Sie lautete:

„Das Bundesdenkmalamt bestätigt mit Dank den Erhalt Ihres Schreibens vom 11. August 2011 betreffend Wien 21, Lorettoplatz 5, Maria Theresien Schlössel. Der Gesetzgeber sieht generell nicht vor, dass das Bundesdenkmalamt mit legistischen Mitteln eine Restaurierung beim Eigentümer erzwingen kann. Laut ha. Kenntnis ist eine Revitalisierung seitens der Eigentümerschaft derzeit nicht geplant.
Mit freundlichen Grüßen
HR Univ. Doz. Dr. Friedrich Dahm
Landeskonservator für Wien“


Mit „der Eigentümerschaft“ ist das Stift Klosterneuburg als Besitzer der gesamten Liegenschaft gemeint, und der „ha.“ – wohl „hieramtigen“ – Kenntnis ist offenbar auch die angeblich rechtsverbindliche Mediationszusage einer „Garantie“ für die „Revitalisierung“ des Schlössls „bis spätestens 2017“ (!) durch das Stift Klosterneuburg entgangen. Angesichts des Fehlens jeglicher damit verbundenen Finanzierungszusage ist dieses Manko allerdings ohnedies als belanglos zu betrachten.
   Jedleseer Anrainer und Besucher – immerhin hatte 2008/09 die Forderung nach Beibehaltung der Grünlandwidmung der Schlössl-Gründe und Instandsetzung des Schlössls 2.300 Unterstützer-Unterschriften erhalten – sehen all dies mit hilflosem Ärger und ohnmächtiger Verbitterung. Aber es dient ja neben den unmittelbaren, materiellen Vorteilen für den Großgrundbesitzer und Pachtherren Stift Klosterneuburg sowie die beiden Baugesellschaften Sozialbau und Volkswohnungswerk dem hehren Zweck der Schaffung „leistbaren Wohnraums“. Wien hat da im Vergleich mit den Pariser Banlieues oder den Londoner Suburbs ohnedies noch viel aufzuholen!

Sissy Danninger     15. September 2011



Maria Theresien-Schlössl in Wien-Floridsdorf





Gastkommentar von Sissy Danninger

Steckbrief Maria Theresien-Schlössl in Alt-Jedlesee
   Das kleine, denkmalgeschützte Maria Theresien-Schlössl im Ortskern des ehemaligen, niederösterreichischen Dorfes Jedlesee in Wien-Floridsdorf stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das barocke, einstige Herrschaftshaus ist das mutmaßlich älteste, historische Bauwerk im Bezirk.
   Mehr als 300 Jahre hat das ebenerdige Gebäude sein Erscheinungsbild im wesentlichen bewahren können. Durch ein Katastrophen-Hochwasser der Donau litt im 19. Jahrhundert allerdings die Symmetrie, weil der ehemalige Westtrakt einem Uferbruch zum Opfer fiel.
   Heute ist der Bausubstanz des Hauptgebäudes und des erhalten gebliebenen Osttrakts allerdings äußerst desolat. Nachdem im Jahr 2003 der Pächter des Schlössls und von dessen einstigem, zwei Hektar (20.000 m2) großen Garten aufgab und seinen Tennisclub nach 33 Jahren schloss, wurden so gut wie keine Instandhaltungsmaßnahmen mehr gesetzt. Entsprechende Vorschriften des Bundesdenkmalschutz-Gesetzes blieben wirkungslos.

   Als verantwortlicher Eigentümer der gesamten Liegenschaft will das Stift Klosterneuburg endlich wieder Pachteinkünfte lukrieren. Zu diesem Zweck soll nun auf dem Areal hinter dem Schlössl direkt am Rand des angrenzenden Teils des Wiener Wald- und Wiesengürtels eine Wohnblöcke-Siedlung mit, gleich hinter dem ebenerdigen Barockbau bis zu fünf Geschoßen, errichtet werden. 
  Um dieses Projekt in Angriff zu nehmen, bedurfte es der (am 30. Juni 2010 auch tatsächlich und einstimmig in Bezirk und Gemeinderat beschlossenen) Umwidmung des früheren Schlössl-Gartens von „Grünland“ (konkret für Erholung und Sport, Esp) zu Bauland. Dagegen hatte ab April 2008 eine Bürgerinitiative mobil gemacht. Sie konnte binnen etwa eines Jahres rund 2.300 Unterschriften für ihre Forderung nach Beibehaltung der Grünland-Widmung sammeln. Der von der Initiative ebenfalls verlangte „Runde Tisch“ aller Beteiligten fand schließlich von Mai bis November 2009 in Gestalt eines „Mediationsverfahrens mit offenem Ausgang“ statt.
   Das Verfahren endete mit der Zustimmung aller Teilnehmer –Vertreter des Stifts, der Erzdiözese Wien, der Pfarre Jedlesee, der Bezirksparteien, der involvierten Baugesellschaften „Sozialbau“ und „Volkswohnungswerk“ sowie, trotz gegenteiligen Mandats, der verbliebenen fünf Angehörigen der Intitiative – zur Verbauung. Eine Person hatte sich am Ende des Verfahrens geweigert zu unterschreiben und war aus der Initiative ausgeschieden.
   Die Abschlussvereinbarung sieht nun, im vom Schlössl am weitesten entfernten Bereich, eine geringe Bauhöhen-Reduktion durch Verringerung der Anzahl der geförderten Miet- und Pacht-Wohnungen von ursprünglich insgesamt geplant gewesenen 180 auf nun rund 140 vor. Erst nach dem Ende der Mediation wurde von deren Leiter klargestellt, dass trotz des im Vorfeld zugesagt gewesenen, „offenen Ausgangs“ die Forderung nach Grünland-Erhalt de facto gar a priori gar nicht zulässig war.
   Vom Stift wurde zugleich eine „Garantie“ für die „Revitalisierung“ des Schlössls „bis spätestens 2017“ abgegeben, allerdings ohne Finanzierungszusage. Die zu gewärtigenden, hohen Instandsetzungskosten angesichts des fortgeschrittenen und fortschreitenden Verfalls ließen so auch die Pfarre Jedlesee im September 2010 von ihrem langjährigen Plan der Schlössl-Nutzung Abstand nehmen.
  Verbitterte Anrainer fürchten nun einen Baubeginn noch 2011 sowie schlimmstenfalls sogar den Abbruch des Schlössls aus technischen Gründen.

Mehr Infos => http://sites.google.com/site/keinbaulandstattgruenland/
 









=> Kommentare & Postings eintragen

 

Maria-Theresien Schlössl revitalisieren

Die Frage die sich mir stellt ist jene ob es denn überhaupt den dringenden Wohnungsbedarf an diesem historischen Ort gibt? Warum nicht das Schlössl revitalisieren und als Ort der Begegnung verwenden, z.B. für Kulturzwecke, Museum etc. - es gibt genügend Beispiele welche zeigen, dass dies möglich ist und letzendlich alle davon profiterien. Dies würde das Grätzl beleben und lebenswert machen!

Eva M.      24. Juli 2011



Verfallenlassen des Maria-Theresien-Schlössls

Nicht nur Menschen haben ein Gesicht, man kann sie damit identifizieren und damit unterscheiden. Auch Landschaften und Orte haben ein Gesicht.
   Wenn eine Ortschaft durch planlose Verbauung - meist aus purer Profitgier - ihres Gesichtes beraubt wird, dann verliert sie ihre Identität und wird verwechselbar.
Genau dieses geschieht derzeit mit der alten Ortskern von Jedlesee, dessen Antlitz mit dem Verfallenlassen des Maria-Theresien-Schlössls und der wuchernden Verbauung unmittelbar daneben und dahinter verloren geht. Nicht die Schaffung von Wohnraum, sondern die profitversprechende Nutzung eines nicht als Bauland gewidmet gewesenen Areals war der Beweggrund, dass demnächst, noch im Herbst 2011, mit der Verbetonierung eines einstigen Erholungsgebiets begonnen wird. Und alle politischen Parteien applaudieren. Daher die Forderung: Jedlesee darf nicht verwechselbar werden! Das gilt auch für Wien insgesamt. Übrigens - wie sähe Klosterneuburg mit einem von Betonquadern umgebenen und überragten Stift aus?

Ferdinand K.       24. Juli 2011

Anmerkung Wien-konkret: Auch wenn es um Geld aus Handymastenvermietung geht, dann verhält sich das Stift Klosterneuburg offensichtlich auch alles andere als "heilig / christlich / nachbarschaftlich", dabei steht doch in der Bibel: "Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Offensichtlich liebt das Stift Klosterneuburg aber das Geld mehr, als die nächsten Anrainer und die Bibel.





21.4.2010 Initiative Denkmalschutz: Jedleseer Loretto-Schlössel in Bedrängnis

Initiative Denkmalschutz: Jedleseer Loretto-Schlössel in Bedrängnis.
Heute behandelt der Bauausschuss und die Bezirksvertretung Floridsdorf den neuen Entwurf des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes für den Ortskern von Jedlesee. Dieser sieht neben einer weiteren Verkleinerung der Schutzzone vor, dass das Grünland im Norden des Loretto-Schlössls (Loretto-Platz 5), dicht verbaut werden soll. Dabei handelt es sich jedoch um den ehemaligen Garten des Schlössls, der von Erholungsgebiet Sport (Esp) auf Bauland umgewidmet werden soll (derzeit befinden sich dort Tennisplätze).
   Der Verein Initiative Denkmalschutz fordert die Erhaltung dieses Grünraumes bis zum Kammelweg, da auch die Grünanlagen einen wesentlichen Bestandteil der Architektur bilden und sonst der auch als Maria Theresien-Schlössl bekannte Barockbau eines maßgebllichen Teils seines Charakters beraubt werden würde. Leider gibt es im Denkmalschutzgesetz keinen wirkungsvollen Umgebungsschutz, sodass auch das Bundesdenkmalamt sich hierzu nicht zu Wort melden kann. Weiters kritisiert die Initiative Denkmalschutz scharf, dass der hintere Teil des denkmalgeschützten Schlössls, das sich im Besitz des Stift Klosterneuburg befindet, eine höhere Widmung erhalten soll und somit auch beabsichtigt ist, die Außenerscheinung des Schlössls stark zu beeinträchtigen. Die Initiative Denkmalschutz fordert daher die Bezirkspolitiker auf, diesem Entwurf des Flächenwidmungsplanes nicht zuzustimmen. Bestandsgemäße Widmungen in Schutzzonen sind für den Erhalt des Ortscharakters entscheidend. Die ausführliche Stellungnahme des Vereins zum Entwurf des Flächenwidmungsplanes ist im Internet unter www.idms.at abrufbar.
Rückfragehinweis: Verein Initiative Denkmalschutz Markus Landerer und Claus Süss
Tel. 0699 1024 4216 und 0676 740 43 27